Austria am Boden: „Dann frisst dich das natürlich“
Die Misere der Austria hat auch im Wiener Derby kein Ende gefunden. „Wenn du eh schon hinten drinnen bist, frisst dich das natürlich. Was wir generell schon fressen müssen in den letzten Wochen, ist schon brutal“, meinte Torhüter Samuel Sahin-Radlinger.
Die Enttäuschung nach der vierten Bundesliga-Niederlage in Serie war den „Veilchen“ nach dem 0:2 gegen Spitzenreiter Rapid anzusehen, dennoch machte eine durchaus überzeugende Leistung bis zum ersten Gegentreffer nach einer Stunde Mut. „Es fühlt sich immer schlecht an, ein Derby zu verlieren“, sagte Neo-Trainer Max Uhlig. Dem Auftritt seiner Austria entnehme er dennoch mehr Positives als Negatives.
Die Vorzeichen vor dem 351. Stadtduell schienen so klar wie selten zuvor. Doch die Austria legte nach anfänglichen Schwierigkeiten, auch durch viele Rapid-Eigenfehler begünstigt, einen erfrischenden Auftritt an den Tag. „Wir waren von Minute 15 bis zum ersten Gegentor die klar dominantere und bessere Mannschaft. Leider konnten wir aus vielen Möglichkeiten kein Kapital schlagen, auch weil die letzte Überzeugung im Abschluss gefehlt hat“, resümierte Uhlig. Der Knackpunkt des Spiels sei die Elfmetersituation gewesen.
Kapitän Fischer: „Situation ist echt hart“
Routinier Aleksandar Dragovic holte Rapids Ercan Kara ungestüm von den Beinen und verursachte den bereits sechsten Strafstoß gegen die Veilchen in dieser Saison. „Wenn du eh schon hinten drinnen bist, frisst dich das natürlich. Was wir generell schon fressen müssen in den letzten Wochen, ist schon brutal“, meinte Torhüter Samuel Sahin-Radlinger, der beim späteren Slapstick-Eigentor von Lee Tae-seok keine gute Figur machte.
Manfred Fischer sprach nach der Derbyniederlage von einem Spiegelbild der bisherigen Saison. „Es ist hart, es ist echt hart in der Situation, wo wir sind. Die Jungs zerreißen sich. Jeder im Stadion hat heute gespürt, dass etwas möglich ist“, sagte der Austria-Kapitän. Doch wie so oft in dieser Spielzeit habe man sich schwergetan, „die Kugel ins Tor zu drücken“.
Trotz der vierten Liga-Niederlage in Folge reifte bei den Austrianern auch die Zuversicht, mit Leistungen wie gegen Rapid den Weg aus der Krise zu finden. „Ich mache mir keine Sorgen, dass wir alle gemeinsam aus der Situation wieder rauskommen, weil wenn wir so spielen und so eine Leistung wie in der ersten Halbzeit und phasenweise auch in der zweiten Halbzeit zeigen, dann werden wir da früher oder später wieder rauskommen“, erklärte Fischer.
Uhlig setzt auf Faktor Zeit
Auch Uhlig bleibt nach seiner ersten Woche im Amt, die auch das Cup-Aus gegen Hartberg beinhaltete, entspannt. „Es war für uns sehr wichtig, so früh schon eine ordentliche Leistung gezeigt zu haben“, sagte der Helm-Nachfolger. Nun stehe die erste volle Trainingswoche bevor. „Es ist ganz wichtig, dass wir jetzt viel Trainingszeit haben und der Mannschaft klar vermitteln können, wie wir spielen wollen. Über die Trainingszeit werden die Abläufe besser werden. Heute war schon viel sichtbar, es gibt aber noch viele Themen, die wir angehen wollen.“
An der schwierigen sportlichen Situation ändert die Zuversicht vorerst nichts. Die Austria liegt nach elf Runden auf dem vorletzten Tabellenplatz, nur einen Punkt vor Schlusslicht WAC und bereits 23 hinter Rapid. „Es ist natürlich nicht schön, aktuell als Austrianer auf die Tabelle zu schauen. Das wollen wir schnellstmöglich ändern“, betonte Uhlig. „Ich glaube, man hat heute auch gesehen, dass wir da unten nicht hingehören.“
Mut machte den Violetten nicht zuletzt die Reaktion der eigenen Anhänger. Nach dem Schlusspfiff gab es trotz der Derby-Niederlage Applaus von den Rängen. „Es freut mich auch, dass die Fans nach Schlusspfiff lobende Worte für die Mannschaft gefunden haben“, sagte Uhlig. Nun gelte es, die positiven Ansätze auch in Punkte umzumünzen. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am kommenden Sonntag gegen die WSG Tirol.