„Bei mir sind dauernd Granaten eingeschlagen“
Mit 6:7 (3), 1:6 gegen Nikolos Bassilaschwili platzte Jurij Rodionovs Traum von einem Achtelfinale gegen Carlos Alcaraz bei den Erste Bank Open. Der Österreicher haderte etwas mit verpassten Chancen, lässt sich aber nicht von seinem großen Ziel, der Rückkehr in die Top 100, ablenken. Dafür vertraut er momentan auf Trainer Michiel Schapers und erzählte auch, warum er einen Neuanfang mit Günter Bresnik ausschließt.
Als er auf 5:5 im ersten Satz stellte, das Publikum ihn so richtig pushte, da dachten viele Fans: Das ist die große Chance. Auch Jurij Rodionov selbst. „Aber anders als etwa im Davis Cup gegen Zizou Bergs habe ich das Fenster einfach nicht genutzt“, haderte der 27-Jährige. „Bei 5:5 und dann im Tiebreak muss ich besser spielen. Auf diesem Niveau darf ich nicht so leichte Fehler machen, damit kommt man vielleicht bei Challengern durch, nicht gegen so einen Topspieler.“
Denn Bassilaschwili hatte an diesem Tag gezeigt, warum er einst in den Top 20 stand, seine Vorhand nach wie vor auf der ganzen Tour gefürchtet ist. Die Wucht der Schläge war auch Rodionov nicht ganz gewohnt: „Oft hat es sich im Match nur angefühlt, als ob ich links und rechts laufe und dauernd Granaten bei mir einschlagen.“ Vor allem aber ließ den Österreicher sein Aufschlag im Stich. „Ärgerlich, weil ich die letzten Wochen echt gut serviert habe.“
Doch Rodionov hat mittlerweile die Reife, solche Niederlagen, in denen der Gegner sich als zu stark erwies, abzuhaken. Auch wenn ihn etwas ärgerte, dass das Resultat klarer war als das Match. „Im zweiten Satz habe ich genau wie er Breakbälle in seinen beiden ersten Aufschlagspielen, er macht die Breaks, ich nicht. Da hätte es statt 0:4 auch 2:2 oder sogar 4:0 für mich stehen können.“
„Brauche sechs gute Wochen im Jahr“
Dass er nach dem Abenteuer in der Stadthalle wieder auf die Challenger-Tour muss, um sein großes Ziel, die Rückkehr in die Top 100 zu erreichen, stört ihn nicht. „Ich hab ein klares Ziel vor Augen, da hat es keine Relevanz, ob ich vor 9000 Menschen in Wien oder vor vier Coaches bei einem Challenger spiele.“ Dass Jurij das Zeug für die Top 100 hat, belegen seine Ergebnisse und Leistungen. „Aber bisher war ich gefühlt nur ein Wochenende drin“, scherzt Rodionov. „Jetzt steh ich um 140 mit gefühlten drei guten Wochen im Jahr. Wenn ich sechs gute Wochen schaffe, bin ich dort.“
Den Weg dorthin beschreitet er seit Sommer mit dem früheren holländischen Top-30-Spieler Michiel Schapers als Trainer. Zuletzt trainierte Jurij auch oft in Traiskirchen oder in der Südstadt, wo ja Lukas Neumayer und nun auch Joel Schwärzler arbeiten. „Das ist natürlich super, wenn du solche Trainingspartner hast.“
„Gibt nur Bresniks Weg oder keinen“
Dass er sich den beiden anschließt und zu Günter Bresnik als Coach zurückkehrt, ist aber kein Thema. „Ich habe es zweimal probiert und habe größten Respekt vor ihm. Er ist einer der weltbesten Trainer“, streut Rodionov ihm Rosen. „Aber bei ihm gibt es nur seinen Weg oder keinen. Und ich hätte halt gern zehn Prozent Mitspracherecht.“