Kultur

Caro Fux: Ein Tourfinale voller Schmäh und Tränen

Caro Fux: Ein Tourfinale voller Schmäh und Tränen

Eine Banane, ein Affe, jede Menge gelbe Sackerln und zum Schluss sogar Tränen: Beim großen Tourfinale von Caro Fux im Wiener B72 war kurz vor Halloween so einiges los. Auch bei ihrem zweiten Wien-Auftritt spielte die Steirerin am Freitagabend vor ausverkauftem Haus. Dabei hätte das Publikum bunter gemischt kaum sein können. Der Platz war zwar knapp, die Stimmung dafür umso ausgelassener.

Das Kultlokal B72 in den legendären Wiener Stadtbahnbögen war am Freitagabend Schauplatz eines ganz besonderen Finales. Denn hier ging die erste große Tour von Austro-Pop-Sängerin Caro Fux zu Ende. Von insgesamt elf Konzerten waren zehn ausverkauft, darunter auch beide Auftritte in Wien. Kurz vor Konzertbeginn trafen wir die 33-Jährige noch backstage für ein paar Fotos. Hinter den Kulissen herrschte bereits reges Treiben. Während sich der Schlagzeuger mit seinen Sticks am Geländer aufwärmte, liefen die letzten Vorbereitungen für den großen Tourabschluss. Eigentlich hätte es bereits um 20 Uhr losgehen sollen. Doch erst eine Viertelstunde später begann das Publikum ungeduldig zu klatschen, ehe sich die Band auf der kleinen, aber feinen Bühne versammelte.

Gegen 20.20 Uhr war es dann so weit: Ein kurzes Schlagzeugsolo, die ersten Töne von „Ois in Butter“ und schon klatschten die Fans begeistert mit. „Geht’s euch gut?“, wollte Fux wissen, ehe sie mit „Hund und Bam“ gleich die nächste Nummer nachlegte. Lässig und mit einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein bewegte sich die Steirerin über die Bühne. Ihre Stimme saß vom ersten Ton an – mal kraftvoll und rau, dann wieder überraschend sanft. Vor allem aber wirkte alles so selbstverständlich, als hätte sie ihr ganzes Leben nichts anderes gemacht. Dass sich Fux im Rampenlicht wohlfühlt, war jedenfalls nicht zu übersehen. 
„Es fängt scho gut an. Ich freu mich, dass ihr da seid. Na, Rock ’n’ Roll!“, rief sie ihren Fans entgegen. Wenig später folgte die offizielle Begrüßung: „So, also jetzt mal in aller Ruhe: Herzlich willkommen im Fuxbau!“ Dass dieser Abend für sie etwas ganz Besonderes war, machte sie gleich deutlich. „Des, was ihr da erlebt, ist eine Premiere. Es ist der erste Tourabschluss. Also besser geht’s gar nicht. Wir haben den elften Termin und haben uns noch immer lieb“, scherzte sie. „Umso schöner, dass ihr alle da seid und mit uns das feiert. Ich hoffe, ihr habt Bock.“ Und den hatten die Fans definitiv. Besonders, als Caro kurzerhand zum Tanzunterricht lud. „Was wir machen im Fuxbau? Wir tanzen, und zwar den Fuxfox. Eins, zwei, drei, vier, links und rechts und die Hüfte“, erklärte sie mit viel Schmäh, ehe sie „Taugt net“ anstimmte und alle machten mit. 

Zwischen Schmäh und großen Gefühlen
Doch zwischen all den ausgelassenen Momenten wurde es auch sehr persönlich. „Ich muss ja aufpassen, dass ich heut net blär“, gestand Fux und blickte auf ihre bisherige Karriere zurück. „Ich wollte nix mehr, als den Amadeus gewinnen und auf Tour gehen. Den Amadeus hab ich gewonnen, des ging schnell. Aber die Tour war eine große Hürde.“ Umso stolzer sei sie auf die insgesamt 4500 verkauften Tickets ihrer ersten eigenen Tour.

Dass dieser Erfolg keineswegs selbstverständlich ist, zeigte ein Blick in ihre Vergangenheit. „Vor sechs Jahren war ich noch Frau Lehrerin und bin dann aber leider in ein tiefes Loch gefallen. Man nennt es auch Burn-out“, erzählte sie offen. Die Musik habe ihr damals wieder herausgeholfen. Dabei erinnerte sie sich auch an ihre mittlerweile verstorbene Großmutter. „Meine Oma hat immer gesagt: Unkraut vergeht nicht.“ Ohne sie würde Fux heute wohl nicht auf dieser Bühne stehen. „Wir brauchen Menschen, die uns lieben und uns einfach gut finden“, sagte sie. „Ich wünsche euch so einen Menschen, der euch gern hat und euch pusht. Mama, Papa, Oma, Opa oder Postler.“ Letzteres sorgte natürlich für Gelächter – schließlich habe auch ihr eigener Postler einen besonderen Platz in ihrem Herzen, weil er ihre Zalando-Pakete immer zuverlässig vor die Tür bringe. „Der Song ist für meine Oma“, kündigte sie anschließend „Du bist do“ an und schlug damit deutlich ruhigere Töne an. Gleich darauf widmete sie sich den nächsten wichtigen Menschen in ihrem Leben: den Müttern. „Wenn heute wichtige Leute da sind, dann sind heute die Mamas da“, erklärte sie. „Sie sind so wichtig im Leben. Ohne meine wäre ich nämlich verhungert.“ Mit einem Augenzwinkern fügte sie hinzu: „Liebe Mütter, die ihr alle da seid, wir brauchen euch. Schaut’s auf euch und geht’s auf ein Caro-Fux-Konzert!“

Mit „Mama bitte“ folgte die passende musikalische Liebeserklärung. Gerade bei dieser Nummer kam ihre unverkennbare Stimme besonders gut zur Geltung. Dieses leicht Raue, das sich immer wieder zwischen die Töne mischt, verleiht ihrem Gesang einen ganz eigenen Charakter. Begeistert wurde mitgesungen und geklatscht, ehe es mit „Foiobst“ und „Wunderschei“ weiterging. Bei Letzterem verließ die 33-Jährige sogar die Bühne und mischte sich unter die Menge, um ganz hinten im Lokal weiterzusingen.

Fuxtaki auf die Eins
„Ich finde es so geil, was Musik macht, sie bringt uns zusammen“, schwärmte sie anschließend. Und genau das war an diesem Abend auch zu spüren. Denn Caro kann nicht nur gute Laune verbreiten, sondern mit ihren Liedern auch berühren. Besonders deutlich wurde das bei „Peter warum“. Der Song handelt von ihrem verstorbenen Onkel, der alkoholkrank war. Als Kind habe sie vieles nicht verstanden und sich immer wieder gefragt, warum es so weit kommen musste. Eine Frage, die sie bis heute beschäftigt. In ihren Texten scheut sich die Musikerin nicht, auch schwierige Themen anzusprechen. Dafür braucht es nicht immer große Gesten. Manchmal reichen ein paar ehrliche Worte und eine Stimme, die unter die Haut geht.

Noch stiller wurde es, als sie eine bisher unveröffentlichte Nummer präsentierte. „Ich hab euch einen neuen Song mitgebracht.“ Mit der gefühlvollen Ballade „Taschentuch“ bewies der Austro-Star einmal mehr, dass sie auch die leisen Töne beherrscht. Und manchmal waren es gerade diese ruhigen Momente, die besonders lange nachwirkten. 
Allzu lange hielt die besinnliche Atmosphäre allerdings nicht an. „Ich habe ein Instrument gelernt“, verkündete Fux schmunzelnd und präsentierte ihre sogenannte „Fuxtöte“, ein kleines Enten-Instrument, dem sie kurzerhand ein paar Töne entlockte. Nach diesem kurzen Schmäh war wieder Vollgas angesagt. Mit dem Ohrwurm „TÄTÄRÄ“ brachte sie das B72 ordentlich zum Beben.

Selbst eine Geschichte aus Griechenland durfte dabei nicht fehlen. Darin spielten Nektarius, Konstantinos und ein Esel die Hauptrollen. Musikalisch gab es dazu passend griechische Klänge und natürlich wieder eine kleine Tanzeinlage. Keinen griechischen Sirtaki, sondern, wie Fux scherzte, einen „Fuxtaki“. 
Mit „Ob das Liebe ist“, bei dem die Gitarristen mit einem Solo glänzen durften, und „Kamot“ ging es schließlich in Richtung Finale. Ein Hit durfte aber dennoch keinesfalls fehlen: „Aff im Kopf“, für den die Sängerin bereits mit Gold ausgezeichnet wurde. Spätestens jetzt gab es kein Halten mehr. Lautstark wurde mitgesungen, während Fux noch einmal alles aus sich herausholte.

Eine Banane, ein Affe und jede Menge Tränen
Der eigentliche Höhepunkt sollte erst noch kommen. Plötzlich stand ihr Tourmanager in einem Bananenkostüm auf der Bühne. Kurz darauf gesellte sich eine weitere Person im Affenkostüm dazu, während einer der Gitarristen eine Fuchsmaske trug. Mit dieser Überraschung hatte die Musikerin offenbar nicht gerechnet. Und spätestens jetzt bewahrheitete sich ihre Befürchtung vom Beginn des Abends, denn sie brach tatsächlich in Tränen aus. Es wurde im Anschluss gelacht, umarmt und gemeinsam gefeiert, ehe sich die Band unter tosendem Applaus verbeugte. Doch die Fans hatten noch lange nicht genug. Die Zugaberufe wurden immer lauter, bis jemand schließlich sogar „Nächstes Jahr Stadthalle!“ durch den Raum rief. „Ja, vielleicht in zwei Jahren. Nächstes Jahr wird’s knapp“, antwortete Fux lachend.

Für die letzte Nummer hatte sich ihr Team noch etwas Besonderes einfallen lassen. Bereits beim Einlass waren gelbe Sackerln verteilt worden, ohne dass die Künstlerin davon wusste. Und als schließlich die ersten Töne von „Red’s ma in a Sackl“ erklangen, wurden diese plötzlich von allen Seiten in die Höhe gestreckt und begeistert geschwenkt. Ein ebenso lustiger wie gelungener Abschluss, der die Steirerin erneut zu Tränen rührte. 
„Liebe Leute, mir fehlen die Worte“, brachte sie sichtlich überwältigt hervor. „Danke, dass ihr mit uns gefeiert habt.“ Mit einem herzlichen „Bussi, baba!“ verabschiedete sie sich schließlich, nicht ohne zuvor noch ein letztes gemeinsames Erinnerungsfoto zu machen.

Fazit: Was von diesem Abend bleibt? Vor allem die Erkenntnis, dass Caro Fux längst mehr ist als eine Newcomerin mit ein paar eingängigen Dialekthits. Sie ist eine echte Rampensau, die mit ihrer starken Stimme, ihrem steirischen Schmäh und einer hervorragend eingespielten Band ihr Publikum sowohl zum Lachen als auch zum Weinen bringen kann. Dass sie bei ihrer nächsten Tour größere Spielstätten ins Visier nimmt, ist deshalb nur logisch. Denn auch wenn der kleine Fuxbau seinen ganz eigenen Charme hatte: Diese Sängerin ist längst bereit für einen größeren Fuxbau ...

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