Bei der WM fielen mit bislang rund 2,9 pro Spiel deutlich mehr Tore als bei den vorherigen Turnieren. Grund dafür soll auch der offizielle Ball „Trionda” von Adidas sein.
Was wohl vielen Fans seit Beginn der Weltmeisterschaft aufgefallen ist: Immer wieder scheitern die Torhüter an Schüssen, die eigentlich einfach zu halten sein sollten.
„Da stimmt etwas nicht“
Nur ein Beispiel: Der irakische Torhüter Ahmed Basil konnte im Spiel gegen Frankreich Kylian Mbappes Fernschuss nicht abwehren, obwohl er den Ball nur leicht berührte, was den BBC-Sportanalysten und ehemaligen englischen Torhüter Joe Hart zu einer interessanten Erklärung veranlasste. „Mir fällt bei diesem Turnier auf, dass die Torhüter den Ball über Schulterhöhe berühren und ihn einfach nicht abwehren können, da stimmt also etwas nicht.“
Weniger Panels, mehr Flatterball?
Warum verhält sich der offizielle WM-Ball „Trionda“ so tückisch? Die Antwort liegt vor allem in seiner Konstruktion: Der Ball besteht aus nur vier Panels – so wenigen wie noch nie bei einer Weltmeisterschaft. Traditionell besteht ein Standardfußball aus 32 Panels (20 Sechsecken und 12 Fünfecken). Um zu verhindern, dass der Ball dadurch zu glatt wird und unberechenbar flattert, hat Adidas die Nähte beim aktuellen WM-Ball vertieft und jedes Panel mit drei ausgeprägten Rillen versehen, die den Luftstrom stabilisieren sollen.
Ball hat keinen einheiltichen Luftwiderstand
Der WM-Ball habe keinen einheitlichen Luftwiderstand, berichten Sungchan Hong von der Seoul Women’s University und Takeshi Asai von der University of Tsukuba in Japan. Wie das Team in der Fachzeitschrift „Fluids“ schreibt, liegt das daran, dass das Verhalten der umströmenden Luft von der genauen Ausrichtung des Balles abhängt.
Topografie der WM-Orte als größtes Problem
Entwickelt wurde der „Trionda“ speziell für die extrem heißen und feuchten Sommerbedingungen in Nordamerika. Ein spezieller Oberflächen-Grip soll den Spielern die Ballkontrolle bei schwülem Wetter erleichtern. Das größte Problem ist jedoch die Topografie der Austragungsorte. Spiele in extremen Höhenlagen wie in Mexiko-Stadt bedeuten dünnere Luft, weniger Widerstand und eine deutlich geradlinigere, rasantere Flugbahn als in tiefer gelegenen Küstenstadien wie in New Jersey.
Für die Profis – insbesondere für Torhüter – kommt erschwerend hinzu, dass sie sich nach einer langen Vereinssaison innerhalb weniger Wochen an ein völlig neues Spielgerät gewöhnen müssen. Was nach einer Winzigkeit klingt, entscheidet auf diesem Niveau über Millisekunden und Zentimeter.
Einige Torhüter haben sich eindeutig schneller angepasst als andere, aber Joe Hart hob hervor, wie viele mit dem Timing und der Flugbahn des Balls immer noch zu kämpfen haben, wenn es nicht darum geht, den Ball zu schlagen.
„Die Geschwindigkeit ist schon etwas anders“
Der ehemalige dänische Weltklasse-Goalie Peter Schmeichel ist ähnlicher Ansicht. „Der Ball schwingt nicht so stark. Aber die Geschwindigkeit, mit der er getroffen wird, ist schon etwas anders.“ Und er fügte hinzu: „Wenn man das mit den unterschiedlichen Wetterbedingungen und der Luftdichte kombiniert, verringert sich der Widerstand für den Ball, wodurch er sich weniger dreht. Es werden Bälle hergestellt, um Tore zu erzielen.“
Ball wurde dreieinhalb Jahre entwickelt
Adidas verbrachte etwa dreieinhalb Jahre mit der Entwicklung des Balls und führte rund 300 Labortests durch. Die Designer testeten es sogar in sieben der 16 Austragungsorte der Weltmeisterschaft, um sicherzustellen, dass es unter allen Wetterbedingungen funktioniert.
Adidas: „Ausreichend und gleichmäßig verteilter Widerstand“
Nach der Präsentation im Oktober 2025 hob Adidas hervor, dass die vierlagige Konstruktion mit „absichtlich tiefen Nähten“ und „strategisch platzierten geprägten Streifen entlang der geprägten Ländersymbole“ gestaltet wurde. „Dadurch wird eine Balloberfläche geschaffen, die für optimale Stabilität während des Fluges sorgt, indem ein ausreichender und gleichmäßig verteilter Widerstand beim Durchqueren der Luft gewährleistet wird“, so Adidas damals.