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Das Jubiläumsjahr im Zeichen der multiplen Krisen

· Culture

Am Mittwochvormittag sind die 80. Bregenzer Festspiele mit großem Pomp eröffnet worden. Trotz Jubiläum und Rekordvorverkauf ist nicht alles eitel Wonne. Die vielen Krisen lähmen die Gesellschaft – doch was kann dagegen unternommen werden?

Eigentlich gäbe es für die Bregenzer Festspiele genug Gründe, das 80-jährige Jubiläum ausgelassen zu feiern: Geboren aus den Trümmern des Zweiten Weltkrieges, haben sich die Festspiele zu einem Festival von Weltrang gemausert. Zum ersten Mal in der Geschichte sind heuer alle 28 Aufführungen für das Spiel auf dem See bereits vor der Premiere ausverkauft. Zudem sind Festspielhaus und Seebühne zuletzt von Grund auf saniert und modernisiert worden. Und der Wettergott scheint es ebenfalls gut mit dem Megaevent zu meinen, zur Eröffnung jedenfalls strahlten die Festgäste mit der Sonne um die Wette, die Vorhersage für die kommenden Tage verspricht ebenfalls ein weitestgehend ungetrübtes Kulturvergnügen.

Liberale Demokratie als „tägliche Übung“
Und dennoch ist nicht alles eitel Wonne, denn die Großwetterlage ist seit Jahren von dunklen Wolken geprägt: Die Teuerung, die Kriege in Europa und Nahost, die wirtschaftliche Dauerkrise, die immer breiter werdenden gesellschaftlichen Gräben – Stimmungskiller gibt es mehr als genug. Das alles akkumuliert in der Frage: Was kann man dem entgegenhalten?

Die Antworten vielen sehr ähnlich aus: Bundespräsident Alexander Van der Bellen mahnte in seiner unnachahmlichen Art dazu, die liberale Demokratie als „tägliche Übung“ zu begreifen, bei der es gelte, das Verbindende über das Trennende zu stellen, um „gemeinsam etwas zu schaffen, das keiner allein schaffen könnte“. Seine zentrale Botschaft lautete: „Wir müssen nicht alle gleich sein, um zusammenzugehören.“

Die Dinge wieder selbst in die Hand nehmen
Kulturminister Andreas Babler blies inhaltlich ins gleiche Horn und bemühte die Geschichte der Bregenzer Festspiele als Vorbild: 1946, also im Gründungsjahr, hätte es nur wenig Anlass zur Hoffnung gegeben – und dennoch sei es gelungen, aus den Trümmern Zukunft entstehen zu lassen. Die Festspiele hätten vorgezeigt, dass „aus zwei Kieskähnen die größte Seebühne der Welt werden kann“. Genauso habe es Österreich geschafft, von einem am Boden liegenden Land zu einem der lebenswertesten Staaten des Planeten zu werden.

Auch von den diesjährigen Festspielproduktionen könne man in Sachen Krisenmanagement viel lernen, so Babler. „La traviata“ – das heurige Spiel auf dem See – etwa zeige, „wie groß der Schaden ist, wenn gesellschaftliche Regeln stärker werden als Mitgefühl“. Und die Hausoper „Die Ausflüge des Herrn Brouček“ sei ein künstlerisches Mahnmal dafür, dass man auf Krisen nicht mit Eskapismus reagieren dürfe. „Warum laufen wir weg, lenken uns ab, anstatt die Dinge einfach zu ändern?“, fragte er. Dass der Demokratie einfach die Luft ausgehe, sei das Ergebnis einer Politik, die sich selbst in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt habe. „Wir brauchen das Selbstbewusstsein, die Dinge wieder in die Hand zu nehmen“, sagte der Vizekanzler. Dafür müsse man aber die Demokratie wieder ernst nehmen als das, was sie im Kern sei, nämlich „der radikale Gedanke, dass wir gemeinsam über die Verhältnisse bestimmen können, in denen wir leben“.

Metzler kritisiert Kürzung der Förderungen
Festspielpräsident Hans-Peter Metzler nahm seine Rede zum Anlass, die Erfolgsgeschichte der Festspiele Revue passieren zu lassen. Aus einer bürgerlichen Initiative sei ein Festival von internationalem Rang geworden, ein Kulturort, der weltweit mit Österreich verbunden werde. Mit der Seebühne hätten die Bregenzer Festspiele eine internationale Bildsprache geschaffen, die großen Bühnenbilder würden Geschichten erzählen, lange bevor der erste Ton erklinge.

Auch auf die finanziellen Probleme aufgrund der rigoros gekürzten Förderungen ging Metzler ein, wenngleich seine Kritik ein wenig schaumgebremst war: 15 Jahre lang sei die Basisförderung für das Festival lang nicht angepasst worden, „relativ gesehen war sie noch nie so gering wie heute“. Gerade die Bregenzer Festspiele würden aber zeigen, dass Kultur nicht bloß ein Kostenfaktor sei. Kultur schaffe eine immense Wertschöpfung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Wer in Kultur investiert, investiert in die Zukunft des Landes!“