„Das Leben nach Krebs-Diagnose ist ein anderes“
Die Krebsdiagnose von Finanzminister Markus Marterbauer erschüttert die Politik. Doch wie gefährlich ist ein Lymphom? Onkologe und Krebshilfe-Präsident Paul Sevelda erklärt im „Krone“-Gespräch, wie die Krankheit behandelt wird, wie die Heilungschancen stehen – und warum Krebsfälle insgesamt zunehmen.
Paul Sevelda, Onkologe und Präsident der Krebshilfe Österreich, im „Krone“-Gespräch über die Erkrankung des Finanzministers und seine Heilungschancen.
Die Lymphdrüsen des Finanzministers sind befallen, erkannt wird diese Krebsart „durch die Entfernung eines vergrößerten Lymphknotens“, der dann untersucht werden kann. Umgangssprachlich spricht man vom „Lymphdrüsenkrebs“.
Laut Sevelda nicht schlecht: „Dank der modernen Medizin gibt es wirksame Therapien und sehr gute Langzeitprognosen“.
Lymphome werden normalerweise mit einer Chemo- und Immuntherapie behandelt. Auch eine Strahlentherapietherapie kann Teil davon sein.
„Das Leben nach einer Krebsdiagnose ist ein anderes“, so der Experte. Für viele ist es ist ein „Schock, den man erst einmal verdauen muss“. Auch für das gesamte Umfeld sei diese Erkrankung eine Belastung.
„Vor allem bei ihrer Familie – sie ist die wichtigste Stütze in dieser Zeit.“ Aber auch an eine der vielen Beratungsstellen der Krebshilfe Österreich können sich Betroffene wenden.
Tatsächlich gibt es eine Zunahme an Ersterkrankungen weltweit. „Auch in Österreich ist das so. Von 45.000 Erstdiagnosen steigt die Zahl in den kommenden Zahlen laut Prognosen auf 60.000 an“, so Sevelda. Woran das liegt? „Einerseits werden wir immer älter und andererseits haben wir verschiedene Verhaltenszüge angeeignet, die eine Erkrankung wahrscheinlicher machen“, erklärt der Onkologe. Dazu gehört Fettleibigkeit, mangelnde Bewegung, Nikotin-Konsum und ungesunde Ernährung.
Mehr Möglichkeiten gegenzusteuern, sieht Sevelda bei der Politik. Bei Präventivmaßnahmen gäbe es „noch viel Luft nach oben“. Etwa sollte für Jugendliche der Zugang zu Nikotin sollte erschwert werden: „Wir wissen aus Studien, dass Jugendliche bei höheren Preisen auf Nikotin verzichten würden.“