Kultur

„Die ideale Mischung“ im Wiener Metropol

„Die ideale Mischung“ im Wiener Metropol

Im Wiener Metropol trifft ab 1. Oktober Johann Nestroys berühmte Posse „Lumpazivagabundus“ auf die Operettenmelodien Carl Michael Ziehrers – eine neue Spielart, kreiert von Theaterprinzipal Peter Hofbauer.

Seit 30 Jahren leitet Peter Hofbauer der Wiener Metropol im 17. Gemeindebezirk – das seit 150 Jahren das Vorstadtpublikum unterhält. Neuerdings mit einer vom Hausherren selbst kreierten Art des Musiktheaters:

Nach „Liebesgeschichten und Heiratssachen“ im Vorjahr verbindet Hofbauer erneut eine Nestroy-Posse mit einem Klassiker der Wiener Unterhaltungsmusik. Diesmal „Lumpazivagabundus“ mit Carl Michael Ziehrers Operettenmelodien: „Seine Musik schmiegt sich geradezu hinein“, erklärt Hofbauer im „Krone“-Gespräch, „,Lumpazi‘ ist Nestroys bodenständigstes Stück. In Verbindung mit der bodenständigen Musik des Carl Michael Ziehrer, ist eine nahezu ideale Mischung!“

„Es gab einige, die mir davon abgeraten haben“
Dabei hätte ihm so mancher von seiner Idee, aus klassischem Sprechtheater, musikalisches Unterhaltungstheater zu machen, abgeraten: „Es war gewagt, aber ich habe es gemacht, weil es optimal in unsere Zeit passt!“. Der Erfolg gibt ihm recht: ausverkaufte „Liebesgeschichten“ und Jubel beim Schloss Weitra Festival, wo sein „Ziehrer-Lumpazi“ im Sommer Premiere feierte.

Das Mischungsverhältnis 60 Prozent Nestroy und 40 Prozent Musik funktioniere deshalb so gut, weil die berühmte Vorlage dem heutigen Humorverständnis angepasst wurde. Denn die 200 Jahre alten Anspielungen und Wortwendungen brauchen, so Hofbauer, „eine Art Nachdichtung“. Zudem habe sich das Tempobedürfnis verändert. Zu ausführlich und breit seien oft die immens langen Monologe: „So viel Zeit nimmt sich halt der Zuschauer heute nicht mehr“, resümiert Hofbauer.

Dabei komme es vor allem darauf an, alles behutsam auf die Bedürfnisse der heutigen Zeit abzustimmen: „Ich vergleiche es gerne mit einem Oldtimer, den man auseinandernimmt und dann wieder liebevoll zusammensetzt, dass er wieder wie neu glänzt!“ Eines ist für ihn essenziell: „Ich beschäftige mich seit Jahrzehnten mit Nestroy und mir ist es wichtig, dass der Geist Nestroys keinen Schaden leidet. Ganz im Gegenteil, dass er vielmehr noch klarer herauskommt!“

Kollektives Lusterlebnis auch für junges Publikum
Dass man in Zeiten von Instagram auch noch junges Publikum für Nestroy und Theater begeistern kann, davon ist Hofbauer überzeugt; „Es dreht sich alles um dieses kollektive Lusterlebnis, die wohl schönste Aufgabe des Theaters. Dem können sich auch die jungen Leute auch nicht verschließen“.

Apropos Lust: Wie lange will Hofbauer, der im März seinen 80. Geburtstag feierte, noch die Geschicke des Metropol leiten?

„Nächstes Jahr mache ich noch den ,Zerrissenen‘ mit der Musik von Oscar Straus. Mit seiner herrlichen, leicht dekadenten Sentimentalität passt das wunderbar zu dem Stück – und dann schauen wir weiter. Ich will nicht, dass jemand Neuer kommt und etwas ganz anderes mit dem Metropol macht. Mir ist wichtig, dass das, was ich aufgebaut habe, weiterentwickelt wird (lacht) Ich bin ein Anhänger kultureller Nachhaltigkeit!“

Vielleicht verpasst