„Doppelmoral“: Spahn spricht über Leihmutter-Baby
Der Fraktionschef der CDU/CSU ist Vater geworden – und die Aufregung ist groß. Denn Jens Spahn entschied sich mit seinem Mann für eine US-Leihmutter. Der Spitzenpolitiker lobbyierte in der Vergangenheit gegen die Praxis und habe lange mit sich gerungen.
Eine Aussage aus dem Jahr 2015 verfolgt Spahn in der aktuellen Debatte, als er dem Männermagazin GQ verriet: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden. Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut. Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht.“ Die Antwort ist bekannt.
Der Wunsch nach einer eigenen Familie war offenbar größer, sehr zum Ärger seiner Parteikollegen. Zahlreiche Politiker warfen Spahn Doppelmoral vor, und auch Bundeskanzler Friedrich Merz will die Frage parteiintern aufarbeiten. Er sehe nicht, dass an der geltenden Rechtslage zur Leihmutterschaft „Änderungen vorgenommen werden sollen“, sagte Merz am Freitag am Rande des deutsch-französischen Ministerrates in Brühl. „Und alles weitere werden wir in der nächsten Sitzung des Präsidiums der CDU Deutschlands besprechen.“
Rücktritt wird von der Partei entschieden
Spahn selbst legte seine politische Zukunft in die Hände der Unions-Abgeordneten. „Ich werde die Frage, wie es weitergeht, mit der Fraktion natürlich erörtern, wenn wir uns im September wiedersehen“, sagte der CDU-Politiker am Freitag in einem Podcast mit „Bild“-Vize Paul Ronzheimer.
Auf die Frage nach einem möglichen Rücktritt wiederholte Spahn nur: „Am Ende kann ja nur die Fraktion darüber entscheiden, wie es weitergeht.“ Zugleich machte er deutlich: „Für mich gibt es, und das wird mir jede Stunde immer bewusster, nichts Wichtigeres als meine Familie.“
Spahn habe mit sich gerungen, was das Thema Leihmutterschaft angeht: „Ich bin lange zerrissen gewesen. Aber eben über dieses Ringen und sich mit dem Thema beschäftigen, haben wir uns für diesen Weg entschieden.“
Er kenne es als Christ, dass „das eine die reine Lehre ist und das andere das echte Leben. Und dass das manchmal kein Schwarz und Weiß hat und keine einfachen Entscheidungen“. Politische Änderungen aus seinem eigenen Verhalten würde er für die Regelung in Deutschland nicht ableiten. Eine Änderung der Rechtslage strebe er nicht an, hieß es aus seinem Umfeld.
Stimmte für Regelung als Leihmutter schon schwanger war
Als prominenter Spitzenpolitiker der Christdemokraten und ehemaliger Gesundheitsminister trug Spahn die bioethischen Grundsatzentscheidungen der Partei stets öffentlich mit. Erst im Februar 2026 verabschiedete die CDU einen erneuten, strikten Parteitagsbeschluss gegen jede Form der Leihmutterschaft, den Spahn als Fraktionschef politisch vertrat. Damals war die Leihmutter bereits schwanger.
Im Nachhinein würde er sich über sein Schweigen ärgern: „Ich hätte es tun sollen.“ Doch damals hätte er sich noch nicht bereit gefühlt.
Das Paar entschied sich dafür, das Kind von einer Leihmutter in den USA austragen zu lassen, weil dies dort unter guten Bedingungen geschehe. Spahn wolle sich nun der Debatte stellen, aber seine „Familie beschützen“.