Familienministerin warnt jetzt vor Zwangsehen
Familien- und Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) hat am Samstag vor Zwangsehen in den Sommerferien gewarnt. Das Familienministerium werde eine neue Broschüre an Brennpunktschulen aushändigen, kündigte sie im Ö1-„Mittagsjournal“ an.
Besonders in den Sommerferien sei das Risiko hoch, dass Mädchen ins Ausland gebracht und zwangsverheiratet werden, sagte Bauer. In der Broschüre heißt es, dass niemand sie zur Hochzeit zwingen und niemand ihren Körper verletzen oder beschneiden dürfe. Ein weiterer Inhalt sind mögliche Warnzeichen, etwa wenn das Handy von Betroffenen kontrolliert wird und sie keine klaren Informationen über eine bevorstehende Reise erhalten.
Bauer rät gefährdeten Mädchen, sich Vertrauenspersonen zu suchen, bei denen sie möglicherweise auch unterkommen können. Darüber hinaus sollen sie ihre Dokumente an einem sicheren Ort aufbewahren und sich die Nummern von Beratungsstellen und Behörden einspeichern. Als Beratungsstellen führt die Broschüre das Frauenzentrum des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF), die Frauenhelpline gegen Gewalt, Rat auf Draht und Gewaltschutzzentren an.
Zwangsheirat ist in Österreich strafbar, unabhängig davon, wo eine Ehe geschlossen wurde. Wer jemanden dazu nötigt, beispielsweise mit Gewalt oder durch gefährliche Drohung, kann eine Haftstrafe bis zu fünf Jahren bekommen. Religiös oder traditionell geschlossene Ehen haben hierzulande gar keine Rechtswirkung, in Betracht kommt in diesen Fällen aber der Tatbestand der schweren Nötigung.
Motive für Zwangsehen sind laut einem Bericht des Familienministeriums (2024) patriarchalische Familienstrukturen, wirtschaftliche und aufenthaltsrechtliche Gründe, die Aufrechterhaltung der Beziehung zum Herkunftsland sowie Kontrolle der Sexualität und von unerwünschtem Verhalten. Weltweit sind geschätzt 200 Millionen Minderjährige von Zwangsheirat betroffen, in Österreich könnten es ungefähr 200 Fälle pro Jahr sein.