Nach einem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Deutschland sowie erschreckenden Vorfällen auch bei uns enthüllt eine parlamentarische Anfrage erstmals die Zahl der Gewaltattacken auf das Bahnpersonal. Erschütternd: Fast jeden Tag wird ein ÖBB-Mitarbeiter tätlich angegriffen.
Beschimpfungen, Drohungen und körperliche Attacken gehören für viele Mitarbeiter der Bundesbahnen seit Jahren zum Alltag. Zu Letzteren gibt es nun erstmals offizielle Zahlen: Exakt 1834 Übergriffe auf Beschäftigte der ÖBB von 2020 bis 2025 weist die Anfragebeantwortung des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur an FPÖ-Generalsekretär und Verkehrssprecher Christian Hafenecker aus.
Besonders betroffen von Attacken aggressiver Fahrgäste sind Zugbegleiter, Kontrollteams und Sicherheitsmitarbeiter. Die meisten Zwischenfälle ereigneten sich bei Fahrkartenkontrollen.
Jeder zweite Angriff auf Sicherheitskräfte endet mit Verletzung
Ein Viertel der Angegriffenen – 459 – trugen von den Attacken sogar Verletzungen davon. Besonders hoch war dieser Anteil bei den Sicherheitskräften: Hier endete demnach nahezu jeder zweite Angriff mit einer Verletzung.
„Die Zahlen zeigen das erschreckende Ausmaß der Gewalt gegen ÖBB-Mitarbeiter“, sagt Hafenecker, der allerdings beklagt, dass aus der Anfragebeantwortung nicht hervorgehe, wie viele Anzeigen es gab. Man wisse auch nicht, „wer angeklagt und wer verurteilt wurde“.
Niederösterreichs Landeshauptfrau-Stellvertreter Udo Landbauer, in dessen Bundesland es naturgemäß viel Pendlerverkehr gibt, fordert vom Bund eine „jährliche, nach Bundesländern und Bahnhöfen gegliederte Gewaltstatistik im Öffi-Verkehr“ sowie den flächendeckenden Einsatz von Stichschutzwesten.
Stichschutzwesten im Test, Body-Cams im Einsatz
Diese werden derzeit bei Sicherheitsmitarbeitern getestet – diese sind einem besonders hohen Risiko ausgesetzt. Zudem sollen mehr Polizeipräsenz, gemeinsame Kontrollen und der flächendeckende Einsatz von Body-Cams das ÖBB-Personal, durchau aber auch Fahrgäste besser schützen, wie die ÖBB im Juni ankündigten.
Zum Zehn-Punkte-Plan gehören zudem Schwerpunktaktionen, Deeskalations- und Kommunikationstrainings sowie Hausverbote oder rasche Anzeigen im Zuge der Null-Tolleranz-Politik gegenüber Gewalttätern.