Gesamtkunstwerk „María de Buenos Aires“
Astor Piazzollas Tango-Operita „María de Buenos Aires“ begeistert am Donnerstag zur bejubelten Premiere für das klagenfurter ensemble im Theater Halle 11 als bildgewaltiges, musikalisch-literarisches Mosaik in Peter Wagners souveräner Regie.
Natürlich muss sie Maria heißen, diese Frau, die das Lied der Asche in sich trägt, weil sie im Feuer geboren ist – ausgespuckt aus der dampfenden Gosse der Stadt mit ihren Dieben und Huren, Engeln und Geistern. Natürlich muss sie ein rotes Kleid tragen. Rot wie die fatale Leidenschaft, die in ihr brennt. Rot wie das Blut, das vom Messer ihres Mörders tropft. Rot wie der Tango, der Maria zugehört, weil er Maria ist.
Metaphorische Projektionsfläche
Astor Piazzolla befruchtet ihn am Höhepunkt seines Schaffens mit Einflüssen aus Jazz und Klassik – sein Tango Nuevo eine metaphorische Projektionsfläche wie Maria, die auch das surreal-poetische Libretto des Dichters Horacio Ferrer durch Leben, Tod und Wiedergeburt – Realität, Traum und Mythos führt.
Stringente Handlung braucht es dafür keine! Entsprechend kompromisslos lässt sich Wagners opulente Inszenierung in die circensische Dekadenz, blutdurchpulste Sinnlichkeit und atmosphärische Dichte einer Welt voller Gewalt, Zauber und Melancholie fallen, aus der sich zwischen Grenzen der Wirklichkeit inhaltstragend die Musik erhebt – großartig von Davorin Mori und dem Tango-Quintett Piazzolleky zum hoch emotionalen Klangkörper verdichtet und atemlos mitreißend in Herz, Hirn und Seele gewuchtet.
Großartiges Ensemble
Im Resonanzraum politischer Umbrüche sowie gesellschaftlicher, religiöser und sexueller Zuschreibungen, die stimmige Projektionen und die Jugend des Jungen Theaters Klagenfurt auf universelle Ebene heben, ist „Maria“ Irene Coticchio optisch wie gesanglich feinnervige Idealbesetzung. Markus Schöttl schlägt als „faustischer“ Erzähler Brücken zwischen Geistern und Menschen, Luis Hernández-Luque sorgt mit vollmundigem Tenor und großer Geste für Gänsehaut.
Am Ende ist „María de Buenos Aires“ bei Peter Wagner keine „Vergessene unter allen Frauen“, wie es das Original will, sondern Maria Tango: stolz, frei, unsterblich. Ein Ereignis!