Gletscher: Das schmelzende Gedächtnis der Erde
Der Dachstein verliert sein Eis: Das Naturwunder, das sich Oberösterreich und die Steiermark teilen, schmilzt dahin und zeigt drastisch, wie ernst die Lage für unser Klima geworden ist. Die Ausstellung „Schnee von gestern“ im Linzer Schlossmuseum zeigt eindrucksvoll, wie Gletscher erforscht werden und welche wichtige Rolle sie im Ökosystem spielen.
Wo einst mächtige Eismassen das Hochgebirge prägten, bleiben heute kahle Felsflächen zurück. Der Rückgang des Dachstein-Gletschers ist ein deutliches Zeichen für den Klimawandel in den Alpen. In Österreich schmelzen die Gletscher in rasantem Tempo: Zwischen 2000 und 2025 haben die Alpengletscher 39 Prozent ihrer Masse verloren. Ab der Mitte, spätestens aber gegen Ende dieses Jahrhunderts, wird es in den Ostalpen keine Gletscher mehr geben.
Wie sind Gletscher entstanden? Welche Rolle spielen sie für das Klima? Und was verrät ihr Eis über vergangene Jahrtausende? Die Ausstellung „Schnee von gestern“ im Linzer Schlossmuseum richtet den Blick auf die regionale Gletscherforschung, die mittlerweile selbst auf eine 170 Jahre alte Geschichte zurückblicken kann.
Das Klima von Tausenden Jahren ist im Eis dokumentiert
Das Herzstück der Schau ist ein 6.000 Jahre alter Eisbohrkern. Über ihn könnte einst Ötzi gegangen sein, denn das Eis stammt von der Weißseespitze, einem Berg in den Ötztaler Alpen. Ein solcher Bohrkern ermöglicht die Rekonstruktion früherer Klimaverhältnisse, denn das Eis speichert Informationen über Luftzusammensetzung, Temperatur und Pflanzenwelt vergangener Zeiten.
Im Gleitflug über den Gletscher
Ein zweites Herzstück ist ein rund 20 Jahre altes Modell des Dachstein-Gletschers, das ihn im Winterzustand zeigt. Bestimmte, mit Codes versehene Punkte ermöglichen den Abruf von Daten und Informationen. Spektakulär: Mit einer VR-Brille können Besucherinnen und Besucher einen Flug über den Gletscher unternehmen.
Die Ausstellung widmet sich auch Gletscherspalten und Gletschermühlen. Dabei handelt es sich um tiefe Eishöhlen beziehungsweise Schächte, die durch Schmelzwasser entstehen. Gezeigt werden Gegenstände, die aus dem ewigen Eis wieder auftauchen: vom steinzeitlichen Lederrest über Eispickel bis hin zum „Antik-Handy“, das vor Jahren in eine Spalte fiel.
„Eiszeit-Experte“ verschwand mit Erwärmung
Eine Vitrine ist jener Epoche gewidmet, in der unsere Gletscher entstanden. Sie sind Relikte der letzten Eiszeit, die vor rund 10.000 Jahren endete. Die damalige Erwärmung ließ das Wollnashorn aussterben, das zuvor mit Eis-und Warmzeiten gut zurechtgekommen und Hunderttausende Jahre durch Europa gestreift war. Zu sehen ist ein eindrucksvoller Schädel mit Horn.
Der Gletscher als Lebensspender
Gletscher gelten übrigens als Wasserspeicher der Alpen. Sie speichern Niederschläge als Eis und geben im Sommer kontinuierlich Schmelzwasser ab. Dadurch versorgen sie Bäche, Flüsse, Pflanzen, Tiere und Menschen mit Wasser. Doch dieser lebenswichtige Strom ist durch den Klimawandel in Gefahr.
Die Schau, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung in Innsbruck entstanden ist, ist ab Freitag bis 7. März 2027 zu sehen.