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„Hotel Savoy“ als heiteres  Spiel der Verlorenen

· Culture

Nicholas Ofczarek und die Musikgruppe Franui verwandeln im Burgtheater Joseph Roths „Hotel Savoy“ in ein Ereignis.

Man weiß es längst und staunt doch immer aufs Neue: Wieviel Müll sich von Bühnen schaffen lässt, bis man zum Wesentlichen, zum einzig Nötigen des Theaters vorgedrungen ist. Nicholas Ofczarek und die Tiroler Musikbanda Franui haben es am Burgtheater schon mit Thomas Bernhards „Holzfällen“ vorgezeigt: ein genialer Text, ein großer Schauspieler, besondere Obacht auf Licht und Atmosphäre, die durch eine diskrete und doch eigenständige musikalische Grundierung hergestellt wird. Mehr brauchte es nicht für einen Abend, für den man nach zwei ausverkauften Jahren und sprachraumweiten Gastspielen allmählich Karten bekommt.

Vom Flop zum Ereignis
Mit Joseph Roths frühem Roman „Hotel Savoy“ (1924) hat Franui schon in Stuttgart experimentiert, und das Resultat mit einer Regisseurin und zeitgeistig „genderfluid“ besetzten Schauspielern soll misslungen sein. Kritiken beanstandeten die grelle Dominanz der Schlager aus der „silbernen“ Operettenzeit, die in die Ereignisse eingewoben sind.

Ofczarek ist allein und auch sein eigener Regisseur. Von einem Pult aus spricht er Roths Text und interpretiert die Lieder von Benatzky, Oscar Straus, Paul Abraham mit den Texten von Fritz Löhner-Beda und Alfred Grünwald. Sie beteten hinter allem Frohsinn wie hypnotisiert das Abschiednehmen und den Tod an, ehe sie emigrieren mussten oder umgebracht wurden.

Absoluter Wortvirtuose
Das Hotel Savoy des in der Ukraine geborenen Altösterreichers Roth, der dann in der Emigration zugrunde ging, steht im polnischen Lodz. In den oberen Geschoßen logieren Versprengte und Heimatlose. Sie verkörpern die heillose Verwirrung nach dem Ersten und das widerstandslose Taumeln in den Zweiten Weltkrieg. Sie wollen flüchten und starren bewegungslos dem Untergang entgegen. Die Zeit steht still wie im „Zauberberg“.

Ofczarek verkörpert sie alle und bringt Roths unvergleichlichen Erzählton leicht, voller Witz und doch todesschwer zum Klingen. Der Text ist plastisch zum Greifen, aber zugleich ein geisterhaftes Gespinst aus Albträumen und törichten Hoffnungen. Körperliche Umstände schränken Ofczareks Beweglichkeit ein. Aber er hat sich dafür zum vielleicht größten Wortvirtuosen vervollkommnet, den der Sprachraum neben Jens Harzer aufzubieten hat.