„Ich bin einfach alt und habe noch viel vor“
Martin Suter entführt seine Leser in „Ein und Alles“ in die verwirrenden Sphären des Bewusstseins, das mit dem Tod nicht automatisch endet
Schöner könnte die Beziehung nicht sein zwischen Mila und Sascha. Eine klassische Liebesgeschichte also, wie man sie von Martin Suter zu kennen glaubt. Doch gleich auf den ersten Seiten verschwindet Sascha – und Mila macht sich auf die Suche nach ihm. Geleitet von dem Gefühl, dass er ihr Zeichen gibt.
Unser aller Bewusstsein ist etwas Unsterbliches
Die Idee für den neuen Roman „Ein und Alles“ kam Suter nach der Begegnung mit dem Quantenphysiker Federico Faggin. „Seine Erkenntnisse über das Bewusstsein haben mich fasziniert“, erzählt der Schweizer Schriftsteller im Interview mit der APA. „Faggin sagt, das kollektive Bewusstsein ist etwas Elementares wie Zeit und Raum. Unser aller Bewusstsein ist dadurch etwas Unsterbliches, weil es nicht mit dem Körper entsteht und deswegen auch nicht mit dem Körper stirbt. Das hat mich fasziniert und ich habe mich gefragt, welche Geschichte könnte ich vor diesem Hintergrund schreiben, wenn ich das als Fakt nehme.“
Man könnte Faggin für einen spirituellen Fantasten halten, aber der seriöse Wissenschafter gilt immerhin als Erfinder des Mikrochips und des Touchpads. Suter würdigt ihn übrigens mit einer eigenen Figur im Buch.
Eigentlich wollte der 78-Jährige eine Schreibpause einlegen. „Manchmal wirft man mir ja vor, ich sei eine Schreibfabrik“, gesteht er. „Aber ich bin einfach alt und habe noch viel vor. Ich wollte weder etwas Wissenschaftliches noch etwas Esoterisches schreiben. Ich wollte einen spannenden Roman schreiben und hatte ziemlich bald die Idee für eine Liebesgeschichte und einen Krimi mit Tiefgang.“
Am 30. Jänner präsentiert Suter den Roman im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses. Es lesen Mavie Hörbiger und Dirk Stermann. „Es ist mehr eine Inszenierung als eine Lesung. Ich habe den Text dafür dramatisiert, damit es ein bisschen spannend wird.