Insider: „Keine Seite will Druckmittel aufgeben“
Unterhändler aus den USA und dem Iran suchen derzeit in New York nach einem schrittweisen Ausweg aus dem Krieg. Allerdings wollen beide Seiten weder den ersten Schritt machen noch ihre Druckmittel aufgeben, sagten Insider, darunter zwei westliche Diplomaten.
So ist etwa die iranische Führung bei ihrem Atomprogramm nachgiebig, selbst wenn die USA den Vorschlag zur Wiederöffnung der Straße von Hormuz annehmen sollte. Die strategisch wichtige Wasserstraße bleibe geschlossen, bis die Vereinigten Staaten alle Bedingungen erfüllt hätten, sagte ein hochrangiger iranischer Regierungsvertreter am Freitag. Damit ist vor allem gemeint, dass das Weiße Haus die Wirtschaftsblockade gegen das Land aufhebt.
Im Iran wachse derzeit allerdings das Bewusstsein für die wirtschaftlichen Kosten einer anhaltenden Konfrontation, sagten die Insider. Der plausibelste Ausweg aus der Sackgasse sei eine stufenweise Regelung. „Ein sinnvolles Vorgehen wäre es, die Krise in Phasen zu lösen. Der erste Schritt wäre das Ende der Blockade und die Wiederöffnung von Hormuz“, sagte er.
„Unvermeidlicher Kollaps“
Dies würde bedeuten, dass US-Präsident Donald Trump einer weiteren vorübergehenden Lösung zustimmen müsste, nachdem eine frühere Vereinbarung im Juli gescheitert war. Trump hatte erklärt, er halte ein Abkommen nach den Kongresswahlen am 3. November für möglich. Der Iran sei verzweifelt, während die USA dank der Kontrolle über die Straße von Hormuz und der schwächelnden iranischen Wirtschaft in einer starken Position seien, meinte jedoch ein Vertreter des Weißen Hauses.Trump sei bereit, den „unvermeidlichen iranischen Kollaps“ abzuwarten, anstatt sich von Teheran vorführen zu lassen.
Der ehemalige US-Unterhändler Dennis Ross schätzt die Wahrscheinlichkeit einer Einigung vor den Wahlen auf 30 Prozent. Dennoch hätten beide Seiten Gründe für einen raschen Abschluss. Die Blockade setze Teheran wirtschaftlich zu, Trump könnte ein Abkommen vor den Wahlen nutzen, um Spannungen am Golf abzubauen und den Ölpreis zu senken. „Es ist immer noch unklar, was Trumps Endziel ist“, sagte Ebtessam al-Ketbi, Präsidentin des Emirates Policy Center in Abu Dhabi. Die Iraner hingegen wüssten, was sie wollten.
Die iranische Führung bereitet sich derzeit trotz der diplomatischen Bemühungen auf eine Fortsetzung des Kriegs vor. „Wir haben den Finger am Abzug“, hieß es.