War der Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek daran beteiligt, den ehemaligen Kanzler Sebastian Kurz zu „stürzen“? Er behauptet es zumindest, wie Ermittlungsunterlagen zeigen, die einem Journalismus-Netzwerk vorliegen.
„Wir“ haben Sebastian Kurz „erfolgreich gestürzt“ – das soll Marsalek im Oktober 2021 in einer Nachricht geschrieben haben, knapp zwei Wochen nachdem Kurz seinen Rücktritt angekündigt hatte. Das berichtet die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf das Axel Springer Reporters Network.
Marsalek ist seit 2020 auf der Flucht, dem ehemaligen Manager von Wirecard wird vorgeworfen, ein russischer Spion zu sein. Die Nachrichten über Kurz‘ angeblichen Sturz habe Marsalek an Orlin Roussev geschickt. Roussev soll der Kopf eines von London aus operierendem Spionagenetzwerkes gewesen sein.
Handy beschlagnahmt
Zuerst habe Marsalek über einen Mann geschrieben, der zeitweise „für uns gearbeitet“ habe. Der Mann sei Opfer einer „Hexenjagd“ durch das Umfeld des Ex-Kanzlers geworden, schrieb Marsalek. Danach habe der ehemalige Top-Manager behauptet, dass „wir“ den Kanzler „gestürzt“ hätten. Es ist allerdings nicht ganz klar, wen Marsalek mit „wir“ meint. Gelungen sei der Kurz-„Sturz“ dadurch, dass das Handy eines Freundes des damaligen Kanzlers beschlagnahmt worden sei.
Der Freund des Kanzlers habe die „geheime Wahlkampffinanzierung“ verwaltet, soll Marsalek in den Nachrichten erwähnt haben. Der Ex-Wirecard-Manager schickte auch einen Link zu einem Artikel, in dem das Mobiltelefon von Thomas Schmid thematisiert wurde. Das Handy des ehemaligen Generalsekretärs im Finanzministerium wurde im November 2019 beschlagnahmt.
Kurz wollte sich der „Bild“ gegenüber zu diesem Thema nicht äußern.