Karajan und Lennie Bernstein im letzten Gefecht
Erfolg für die neue Josefstadt-Direktion: „Letzte Runde“ an den Kammerspielen zeigt hohe Konversationskunst rund um zwei Giganten der Musikwelt.
Nach den Verstolperern des Saisonbeginns ist das ein erster gelungener Schritt der neuen Josefstadt-Direktion: eine gut gearbeitete Konversationskomödie am richtigen Ort, mit Schauspielern, deren Beliebtheit auf ihr beträchtliches Können zurückzuführen ist (was man nicht jedem der Neuengagements nachrühmen kann).
Zufallsbegegnung zwischen Karajan und Bernstein, 1988 in der Sacher-Bar: Beide sind krank, stehen am Lebensende und laborieren an Unausgesprochenem, nicht nur die Verbiegungen des Österreichers vor den Nazis betreffend.
Manches an Peter Danishs Erfolgskomödie scheint pauschalisierendem Hörensagen entkommen: Weder war Karajan ein bürokratisch am Notentext klebender Schönklang-Pedant, noch herrschte bei Bernstein ekstatische Dauerimprovisation. Auch waren beide 1988 schon weit davon entfernt, erregte Anhängerschaften hinter sich zu versammeln: Carlos Kleiber war längst das extraterrestrische Wunder, die Mutter aller Schlachten tobte um den Radikalreformer Nikolaus Harnoncourt und die von ihm angestoßene Originalklangbewegung.
Pointengenau
Aber ein Stück braucht eben eine Konstellation, und der folgt der israelisch-amerikanische Regisseur Guy Ben-Aharon tadellos: Pointengenau bedient von Alexander Strömers Barkeeper, erzielen Michael Dangls Karajan und Günter Franzmeiers Bernstein mit präzise überzeichnenden Virtuosenstücken größtmögliche Annäherung an die gigantischen Originale.