Kräuter gehören nicht nur in die Teetasse, sondern auch in die Küche. „Heilsam kochen“ heißt ein neues Buch des Kräuterpfarrers mit 120 Rezepten, 90 davon vegetarisch.
Das Prämonstratenser Chorherrenstift Geras im Waldviertel (NÖ): Der Klostergarten leuchtet gelb und weiß, hier wachsen mehr als 70 verschiedene Heilkräuter auf mehr als 700 Quadratmetern. Es ist das Reich von Kräuterpfarrer Benedikt, dem „Krone“-Publikum seit 15 Jahren wohlbekannt. Für ihn sind Kräuter Lebewesen, Teil der Schöpfung. In seinem weißen Habit mit Strohhut ist er Teil eines Bildes, das Harmonie ausstrahlt, Einklang mit der Natur.
Diese Woche ist sein neues Buch „Heilsam kochen“ erschienen (Kneipp-Verlag). Es erfüllt auch einen letzten Wunsch des 2004 verstorbenen Kräuterpfarrers Hermann-Josef Weidinger, der sich von einem auf den anderen Tag entschlossen hatte, kein Fleisch mehr zu essen. Seine Köchin, eine Schwester der ehemaligen Geschäftsführerin des Kräuterpfarrerzentrums Melitta Blaim, kreierte daraufhin 300 Rezepte, die nun behutsam modernisiert wurden. „Für mich auch eine logische Fortsetzung dessen, was ich täglich in der ,Krone‘ schreibe.“
Bei jedem der insgesamt 120 Rezepte werden die verwendeten Kräuter einzeln beschrieben. Geschmack und Heilwirkung. Der aromatische Quendel für den Krautstrudel und die Dinkelgrießnockerl, Spitzwegerich für die Kräuter-Bowl, die leicht bittere Kalmuswurzeln für die Hafer-Bohnenkraut-Suppe.
„Genau so fühlte sich eine Frau, die unlängst zu mir kam“
Apropos Spitzwegerich, einer der Lieblinge des Kräuterpfarrers: Er wächst am Wegesrand, man fährt oft über ihn drüber. „Genau so fühlte sich eine Frau, die unlängst zu mir kam“, erinnert sich Benedikt, der auch Seelsorger ist. „Man hatte sie gekündigt, abgebaut, was immer auch eine tiefe Kränkung in einem Menschen auslöst.“ Er habe ihr Spitzwegerich-Tee mitgegeben. „Auch er wird oft übergangen und gerade deshalb wirkt er nervenstärkend.“
Benedikt lebt seit fast 40 Jahren im Stift Geras. Er liebt Bäume, Vögel und Katzen, er züchtet Gänse und singt mit großer Freude. Über Ängste und schlaflose Nächte spricht der 61-Jährige ganz offen – er hat auch schwere finanzielle Krisen des Stiftes durchlebt. Vielleicht fassen Menschen darum schnell Vertrauen zu ihm. So beginnt ein Gespräch häufig mit der Frage nach einem Kraut und plötzlich geht es um das Dahinter: Einsamkeit, Angst vor dem Älterwerden, den Verlust eines Menschen oder wie man in einer schwierigen Phase seines Lebens wieder Kraft schöpfen kann.
Die Kraft der Kräuter nutzt der Kräuterpfarrer auch bei seiner Ernährung. „Ich kann zwar nicht wirklich kochen, aber ich experimentiere gern“, lacht er. Statt Schnittlauch streut er Melisse über seine Eierspeise, statt Maggikraut hackt er Ringelblumen in die Suppe. Motto: Jedes Kraut, das in die Teetasse kommt, passt auch in die Küche.