Lars Eidinger: Dichterstimme und Dancefloor
Von Jedermann bis Hollywood: Lars Eidinger gilt längst als einer der herausragenden Schauspieler seiner Generation. Im Rahmen des Linzer Brucknerfestes trat er gemeinsam mit Schlagzeuger George Kranz im Posthof auf. Er las Liebesgedichte des Schriftstellers und Dramatikers Thomas Brasch, hinterher legte er noch als DJ auf.
Wenn Worte pulsieren und Rhythmus spricht: Lars Eidinger las im Linzer Posthof die eindringlichen Gedichte von Thomas Brasch, begleitet vom virtuosen Schlagwerk und der Beatbox-Kunst von George Kranz. „Das Unvereinbare in ein Gedicht“ wurde zu einem intensiven Erlebnis zwischen Literatur, Musik und Performance.
Braschs Gedichte sind voller überraschender Wendungen, Eidinger spannte den Bogen von zärtlicher Liebe bis zu brachialer Begierde. Anarchie, Pornografie und Blasphemie wurden selten mit größerer poetischer Eleganz in Sprache und Klang verwandelt. Kinderreime standen neben kunstvoller Lyrik, intime Liebesgedichte neben Erinnerungen an Krieg und Verlust. „Vom schlimmsten Frieden gehetzt zwischen zwei Kriegen“ lautete eine Hommage an die Großmutter des Dichters.
Die andere Seite des Schauspielers
Eidinger las bewusst langsam und beinahe monoton. So gab er den Texten Tiefe und Nachhall, während Kranz die Übergänge gestaltete und Emotionen musikalisch verdichtete. Gemeinsam machten sie Braschs Sprachkunst zu einem packenden Gesamtkunstwerk.
Nach dem unvergesslichen Abend aus Lyrik, Schauspiel und Percussion zeigte sich der Bühnenstar noch von einer anderen Seite: Als DJ lud zum Clubbing und schlug damit eine Brücke zwischen Hochkultur und Tanzfläche.