Kultur

Maria Kalesnikava feiert Rückkehr auf die Bühne

Maria Kalesnikava feiert Rückkehr auf die Bühne

Fünf Jahre saß die belarussische Musikerin und Friedensaktivistin Maria Kalesnikava in ihrer Heimat im Gefängnis. Nach ihrer Entlassung im Dezember 2025 stand sie am Freitag beim musikprotokoll in Graz erstmals wieder als Musikerin auf der Bühne. 

„Ich kann es kaum glauben, dass das alles wirklich passiert“, sagt Maria Kalesnikava am Freitagabend in der List-Halle. Weil sie für freie Wahlen und Demokratie in ihrer belarussischen Heimat protestierte, wurde die Flötistin 2020 verhaftet und saß mehr als fünf Jahre im Gefängnis, einen Großteil der Zeit in Einzelhaft. „Im Gefängnis war die Musik für mich ein Raum der Freiheit, mein Körper war eingesperrt, aber mein Geist war frei.“

Als Zeichen der Solidarisierung mit der Musikerin, die zur Ikone der Freiheitsbewegung wurde, verlieh die Grazer Kunstuni ihr vor zwei Jahren das Ehrendoktorat – damals saß sie noch im Gefängnis, nur ihre Flöte war bei der Verleihung in Graz. Und eben diese Flöte konnte sie nun beim musikprotokoll im steirischen herbst endlich wieder erklingen lassen. „Für mich ist das nicht einfach eine Rückkehr in mein altes Leben. Für mich ist das eine Rückkehr in eine Zukunft, die noch vor Kurzem unmöglich schien“, erklärte sie.

Gemeinsam mit dem RSO Wien und der ukrainischen Sopranistin Viktoriia Vitrenko hob sie ein Werk aus der Taufe, das Liavon Schwir extra komponiert hatte: In „Radiophobia: a silent requiem für Chernobyl“ macht er sich auf die Spuren des Atomunfalls, dessen Nachwirkungen bis heute in der Region zu spüren sind. Fauchend weht die Flöte von Kalesnikava durch kontaminierte Landschaften, sucht gemeinsam mit der lamentierenden, aber immer wieder auch aufheulenden Stimme von Vitrenko nach Halt, nach Sicherheit, nach einer Welt, die strahlend statt verstrahlt sein sollte. Erschütternd schön.

Ikonen und Meerjungfrauen
Erstklassig agierte dabei das RSO Wien unter Lin Lioa, das davor schon Allesandro Baticcis „Genesis of an Icon“ uraufgeführt hatte – ein Werk in dem der Komponist Spannungen aufbaut, die er eruptieren und dann wieder in sich zusammenfallen lässt. Für diesen kraftvollen Mix aus Verzweiflung, Widerständigkeit und Bombast erhielt er vom Publikum viel Applaus.

Ebenfalls zu hören gab es „Red Thread Mermaid“ von Mirela Ivicevic, in dem sie musikalische Splitter aus dem ehemaligen Jugoslawien in ein fast schon romantisch anmutendes Klangmeer wirft und verspielt wie eine märchenhafte Meerjungfrau auf den resultierenden Wellen reitet.

Vielleicht verpasst