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Mit 60 ein Instrument lernen und eine Band gründen

· Culture

Beim Grazer Projekt „Klangwelt60+“ haben Victoria Vorraber und Nenad Mitić Kurse für Musikinteressierte gehobenen Alters im Angebot. 15 Instrumente stehen mittlerweile zur Auswahl, die Stilrichtung erfolgt nach Wunsch.

„Eigentlich hätte ich gerne Klavier gelernt.“ Den Satz hören Victoria Vorraber und Nenad Mitić so oder so ähnlich öfter. Als Leiter des vor sieben Jahren in Graz gegründeten Vereins „Klangwelt60+“ gestalten die beiden Instrumental-Pädagogen Kurse für Musikinteressierte gehobenen Alters.

15 Instrumente können Damen und Herren 60+ dort inzwischen lernen. Neben Einzelunterricht gründen sich jedes Semester aus den inzwischen mehr als 100 Teilnehmern Bands und Ensembles – von Klassik über Jazz bis Volksmusik ist alles möglich. Das Projekt beackert ein in Österreich weitgehend brachliegendes Feld. „Musikschulen sind natürlich auf Kinder ausgerichtet. Für Ältere gibt es kaum ein Angebot“, erzählt Vorraber. Dabei sei gerade die Zeit nach der Pensionierung eine Chance. „Viele haben nach Kindern und Arbeit dann erstmals wieder Freiraum. Und merken: Jetzt kann ich machen, was ich immer schon wollte.“

Besonderes Verhältnis von Schülern und Lehrern
Im normalen Musikbetrieb sei aber die Hemmschwelle oft hoch. „Es kommen Leute, die haben vieles gemacht im Leben. Und jetzt noch einmal was neu anfangen, da sind viele schüchtern.“ erklärt Mitić. Deshalb sei das Verhältnis zu den „Schülern“ auch ganz besonders. „Wir sagen immer, wir geben keinen Unterricht, sondern Coaching. Es geht nicht um ein Zeugnis. Sondern: Was für Ziele setze ich mir?“ Gearbeitet werde auf Augenhöhe. „Wir sind nicht die schreienden Lehrer, die manche als Kind vor etwa 50 Jahren hatten“, lacht Vorraber.

Als „Nebenprodukt“ ihrer Tätigkeit bei dem Verein, den sie vor zwei Jahren übernommen haben, haben Mitić und Vorraber an der Grazer Kunstuni auch wissenschaftlich in ihren Abschlussarbeiten zum Thema „Musik und Lernen im Alter“ geforscht. So hoffen sie, ihre Vorreiter-Rolle auszubauen. „Es wäre schön, wenn wir auch außerhalb von Graz ein Angebot schaffen können. Und gesellschaftlich Aufmerksamkeit erhalten.“ Interessierte können sich beim Verein melden: „Wir haben auf jeden Fall noch Kapazitäten. Zum Anfangen ist man nie zu alt!“

Felix Jurecek