Mit neun Krügerl durch ein absurdes Libretto
Großer Jubel für Leoš Janáčeks Opernsatire „Die Ausflüge des Herr Brouček“ im Bregenzer Festspielhaus.
Herr Käfer, so heißt Brouček auf Tschechisch, ist ein Kleinbürger, der Genüge findet in seinen vier Wänden und jeden Abend beim Wirt Schweinebraten und neun Krügerl Bier konsumiert. Konstant alkoholisiert, schwebt er samt Häuschen auf den Mond, im zweiten Teil mitten in den Hussitenkrieg.
Ein merkwürdiges Libretto, das Leoš Janáček, der Brünner, für seine erste Oper in Prag gewählt hat. Verständlich, dass es damalige Kunstrichtungen aufs Korn nimmt und im zweiten Teil ein zentrales Thema tschechischer Identität aufgreift. In Bregenz erlebte man das Werk in der Originalsprache dank des wunderbaren Prager Philharmonischen Chors, und eines hochklassigen Ensembles, das in diverse Rollen schlüpft. Darunter die Sopranistin Tatev Baroyan oder der Tenor Mihalis Čulpajevs und allen voran der Charaktertenor Peter Hoare als Brouček.
Wenn auch aufgrund des Librettos gewisse Längen entstehen, so werden diese wettgemacht durch die sprechende Musik, die die Sprachmelodie des Tschechischen aufgreift und das Bühnengeschehen illustriert, kommentiert. Es dirigiert Robert Jindra. In der gekonnten Personenführung des Regisseurs Yuval Sharon gebührt jedoch die Krone dieser Produktion dem Bühnenbildner Jon Bausor und seinem Lichtdesigner Yi Zhao.
Ein wenig erinnernd an das „Schwarze Theater Prag“ sehen wir die Silhouetten einer Stadt, dann in den Mondbildern galaktische Zaubereien und schließlich im Mittelalter Farben und Visionen, die an Gemälde Rembrandts denken lassen.