Mit Zeiler gegen Babler in einen heißen SPÖ-Herbst
Wenn eine Partei, die lange Nummer 1 in Österreich war und bis vor ein paar Jahren den Kanzler stellte, in Meinungsumfragen mittlerweile im freien Fall Richtung Platz 4 stürzt – dann dürfen, ja müssen Kurs und Chef dieser Partei heftig infrage gestellt werden.
Das passiert in der SPÖ längst. Doch Andreas Babler verliert zwar den Rückhalt der Wähler, verteidigt aber sein Amt mit Zähnen und Klauen. Bis Freitag erfolgreich – vor allem mangels eines glaubwürdigen und erfolgversprechenden Herausforderers.
Babler, der bei seiner Machtübernahme Widersacher Hans Peter Doskozil geschlagen hatte, wehrte den Comeback-Versuch von Ex-Parteichef und Ex-Kanzler Christian Kern heuer im Frühjahr erfolgreich ab – weil seine Unterstützer aus der Wiener Partei und der Gewerkschaft lieber an Babler festhielten, statt den als schwierig geltenden Kern zurückzuholen. Doch fest im Sattel sitzt er trotzdem nicht ...
Bablers Vorteil grundsätzlicher Vorteil: Personell gleicht die SPÖ einer ausgetrockneten Wüste. Einzige Fata Morgana am Horizont: einer, der schon ewig als Retter der SPÖ gehandelt wird, Ex-ORF-Chef Gerhard Zeiler, ein erfolgreicher internationaler Medienmanager und dadurch Millionär, wie auch gleichzeitig in der Wolle gefärbter Roter.
In den vergangenen Wochen rückte die Fata Morgana näher. Würde Zeiler doch noch in den Ring steigen? Den Plan, den 71-Jährigen an die Spitze der Roten zu hieven, betitelte man geheimnisvoll „Roter Oktober“. Seit Freitag, also noch im September, wissen wir durch die „Krone“ nach der Vorabveröffentlichung von Zeilers Ansage aus dem Interview mit Conny Bischofberger, das am Sonntag bei uns erscheint: Ja, er will. So steht den Roten ein heißer Herbst bevor. Der Regierung wohl auch.