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Monteverdis „L‘Orfeo“ als Sieg von Kunst und Liebe

· Culture

Der berühmteste Sänger der Antike ist erstmals in der Griechischen Nationaloper in Athen gelandet. Künstler William Kentridge inszeniert Monteverdis Oper als berührendes Feuerwerk aus bunter Fantasie.

Der mit seiner Stimme alle besänftigende Sänger Orpheus zupft nicht nur unterm Giebel des Musikvereins die Lyra. Er steht auch vor Athens Akademie. Ein Prachtbau des Musikvereins-Architekten Theophil Hansen. Orpheus gegenüber wacht Athene, Göttin für Weisheit und Kunst. Der Bau ist Teil von Hansens „Athener Trilogie“, mit Universität und der alten Nationalbibliothek.

Die neue Nationalbibliothek steht seit ein paar Jahren gegenüber der neuen Athener Oper. Renzo Piano hat den beeindruckenden Kulturkomplex entworfen. Und dort wird gerade erstmals in der Geschichte der Institution Monteverdis „L’Orfeo“, die erste ernst zu nehmende Oper, gespielt.

Der südafrikanische Künstler William Kentridge, den man von Salzburger Festspielen, Albertina-Schau und Festwochen kennt, hat das mit seinem Team inszeniert. Im Sommer kam die Produktion beim Glyndebourne-Festival heraus, das, neben New Yorks MET, Kooperationspartner der Griechischen National Oper (GNO) ist.

Neues Orchestergewand für die erste echte Oper
In Athen eröffnete man damit soeben die Saison, blendend mit vielen eigenen Kräften und mit dem ausgezeichneten Chor besetzt. Statt auf historischen Instrumenten überzeugt das GNO-Orchester unter Konstantinos Terzakis mit moderner Instrumentierung des US-Amerikaners Nico Muhly. Sie verleiht „Orfeo“ reiche, reizvolle Klangfarbigkeit und gibt der ohnehin nur rudimentär notierten Partitur ordentlich Operngepräge.

William Kentridge entfacht dazu in der Kulisse eines Ateliers einen Bildersturm aus Film, Zeichnung, Spiel und Tanz. Ein hinreißendes, auch rätselhaftes Augengewitter voller Assoziationen und Bezüge. Orpheus (sehr präsent: Christos Kechris) steht wie Buster Keaton inmitten und liebt seine Euridice, die diesmal nur Traumbild bleibt.

Kentridge lässt sie von der wunderbaren Nosiphiwo Samente tanzen. Die Stimme leiht ihr Maria Kostraki, die auch La Musica im Prolog und Echo singt. Athene gleich, treibt sie als künstlerische Seele vom Zeichen-/Regietisch aus das Spiel an. An dessen Ende tragen Kunst und Liebe den Sieg davon. Orpheus steigt in den Himmel, Euridice vollführt einen Freudentanz.

Als tolle Ergänzung hat Kentridge im Archäologischen Museum Räume voller antiker Schätze in eine poesievolle, unbedingt sehenswerte Orpheus-Welt verwandelt.