Mörbisch ganz im Rausch des Glamours
„La Cage aux Folles“ bei den Seefestspielen Mörbisch: ein glitzernder Augenschmaus mit vielen, vielen Stufen, Tänzern und einem glänzenden Alfons Haider als alternde Diva Zaza.
In Mörbisch regiert in diesem Sommer der Fummel: „La Cage aux Folles“, Jerry Hermans berühmter Musical-Klassiker, hat die riesige Seebühne erobert, auf der Szenenbildner Walter Vogelweider einen goldenen Käfig als zentralen Hingucker platziert hat.
Umspült wird dieser von einem regelrechten Stiegentsunami. Insgesamt 1002 Meter Stufenmeter so weit das Auge reicht. Das hat seine Tücken: Das Konzept geht auf, wenn die tanzende Cagelles-Truppe in Vollbesetzung die Bühne entert, und Beine und Boas von links bis rechts durch die Luft wirbeln, dass es nur so schrillt. In den Kammerspiel-artigen Szenen jedoch, die einen Großteil der Komödie rund um Nachtclubbesitzer Georges und seinen Mann Albin ausmachen, bleiben die Bühnen-Flanken oft unbeholfen leer.
Der best erprobte Musical-Regisseur Andreas Gergen beweist einmal mehr ein geschicktes Händchen, setzt die in Violett getauchte glamouröse Szenerie in Gang und achtet auf eine stimmige Personenführung.
Im Mittelpunkt: Generalintendant Alfons Haider himself, der nach 18 Jahren in die Rolle der „Zaza“ zurückkehrt. Dieses Comeback in High Heels darf als rundum gelungen bezeichnet werden, passt dem 68-jährigen Entertainer die Rolle der alternden Diva doch wie angegossen. Stimmlich weicht er geschickt immer wieder in Sprechgesang aus, und so wird dann auch der auf Deutsch gesungene Hit „I Am What I Am“ zum ausdrucksstarken Statement.
An seiner Seite: ein souveräner, etwas zu jugendlich-dynamisch agierender Mark Seibert als Georges und ein stimmstarker Timotheus Hollweg als Sohn – ein Extra-Bravo für Aliosha Jorge Ungur, der eine Punktlandung als schrille Haushaltshilfe Jacob hinlegt.
Ein bunter, berührender, unterhaltsamer Abend, der in der zweiten Hälfte seine größte Strahlkraft entfaltet.