NGO-Seehilfe für Schlepper? Jetzt spricht Karner
Das brisante Video der europäischen Grenzschutzbehörde Frontex über eine mögliche Kooperation einer Menschenrechtsorganisation mit Schleppern im Mittelmeer wirbelt inzwischen viel politischen Staub auf. Vor allem rechte Parteien ziehen den Vorfall in den Sozialen Medien hoch. Nun hat sich auch Österreichs Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) mit einer klaren Botschaft zu Wort gemeldet.
„Genau um diesen Treiben ein Ende zu setzen und auch um das Geschäft der Schleppermafia nachhaltig zu zerschlagen, arbeitet Österreich intensiv an der Umsetzung des Asylpakts und ganz konkret an Rückkehrzentren in Staaten außerhalb Europas!“, betont Karner am Donnerstagnachmittag gegenüber der „Krone“.
Übler Verdacht gegen Seenotretter
In den Aufnahmen von Frontex ist zu sehen, wie Beiboote zwischen der deutschen Sea-Watch 5 und einem Schnellboot von Schleusern hin- und herpendeln. Bei jeder Fahrt werden Menschen auf das 58 Meter lange Großschiff der NGO gebracht.
Dieses Video zeigt die brisante Übergabe von Migranten und bringt Sea-Watch unter Druck:
Neben den Geflüchteten, die rote Schwimmwesten tragen, sind auch die mutmaßlichen Schleuser erkennbar, die Sturmhauben tragen. Die Aufnahmen wurden am 11. Mai 2026 rund 70 Kilometer nordöstlich von Libyens Hauptstadt Tripolis gemacht.
Offenbar koordinierter Transfer
Brisant sind die Videos, da Vorwürfe im Raum stehen, dass die Seenotretter mit den Schleusern kooperieren. Die Aufnahmen sollen demnach einen koordinierten Transfer zeigen. Nach der Übergabe sollen auch Gesten zwischen den Männern auf dem Boot und der Besatzung zu sehen sein.
Italienische Justizbehörden ermitteln unter Hochdruck
Vier Tage später kam das Seenotrettungsschiff Sea-Watch 5 mit 166 Migranten an Bord im Hafen von Brindisi in Süditalien an. Nach Auswertung der Aufnahmen leitete die italienische Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Beihilfe zur illegalen Einwanderung ein. Der Strafbestand kann in Italien mit bis zu 20 Jahren Haft geahndet werden. Beschuldigter ist nach italienischen Medienberichten der niederländische Kapitän der Sea-Watch, Anne van Dam.
Rechte Parteien nutzen Aufregung
AfD-Chefin Alice Weidel kommentierte das Video auf X mit den Worten: „Ein Frontex-Video bestätige offenkundig den Verdacht, dass Seenotretter ,Hand in Hand‘ mit kriminellen Banden Migranten nach Europa schleusten.“ Und sie fügte hinzu: „Eine AfD-Regierung wird den NGO-Schleusern das Handwerk legen!“
Auch FPÖ-Politikerin Petra Steger hinterließ auf X ein Posting mit deutlichen Worten über diesen Vorfall (siehe unten).
NGO kontert Vorwürfen
Der Verein Sea-Watch hingegen konterte den Vorwürfen: „Ein Video ,bestätigt offenkundig‘ = die stärkste Beweisform seit dem Bauchgefühl. Seenotrettung ist völkerrechtliche Pflicht. Aber wer hat Zeit für Völkerrecht, wenn die eigene Partei kurz vor dem Verbotsverfahren steht?“
Sea-Watch wirft der deutschen Bundesregierung und der EU hingegen vor, mithilfe von Frontex seit Jahren libysche Akteure politisch, finanziell und operativ zu unterstützen, „obwohl deren Gewalt gegen Schutzsuchende dokumentiert ist“.
Die Sea-Watch 5 wurde demnach am 26. September 2025 und am 11. Mai dieses Jahres mehrfach bedroht, bedrängt und beschossen. Im Mai hätten libysche Milizen zudem gedroht, das Schiff zu entern und die Besatzung sowie das Schiff nach Libyen zu entführen, so Sea-Watch.