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„Ob die 100 Direktoren mehr oder weniger haben…“

· Politics

Walter Ruck, Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, klammert sich weiterhin an seine Funktionen. Neue Auszüge aus dem vertraulichen Protokoll zeigen, wie sehr sich der langjährige ÖVP-Mann als heimlicher „Strategieberater“ der Wiener SPÖ aufspielte.

Am Freitagabend ging es ruckzuck. Walter Ruck, seit 2014 Präsident der einflussreichen Wirtschaftskammer Wien, wurde aus der ÖVP geworfen. Der Hintergrund: Aussagen des machtbewussten Kammer-Chefs, die Ende 2025 in einem mehrstündigen Gespräch geäußert wurden. Und die neben einem gehobenen Maß an Frauenfeindlichkeit vor allem auch offenlegten, wie „Freunderlwirtschaft“ in Wien laut Ruck funktioniert(e). Ob im Schweizerhaus mit dem Wiener Bürgermeister oder im Weinkeller mit dem einstigen Finanzstadtrat; „Krone“ und „profil“ machten die Details bereits in der vorletzten Woche öffentlich.

Sorgen um die SPÖ?
Nun zeigt eine weitere Passage des Gesprächsprotokolls, wie sehr sich der offiziell schwarze Ruck bereits lange vor dem Parteiausschluss als heimlicher Strategie-Berater der Wiener Roten rund um seinen Freund Michael Ludwig aufspielte. 

Wörtlich erklärte Ruck, der neben seinen Funktionen in der Wiener Wirtschaftskammer und im Wiener Wirtschaftsbund auch im Aufsichtsrat der Wiener Städtischen sitzt, laut dem der „Krone“ vorliegenden Protokoll:

„Ich verstehe – ehrlich gesagt – das Spiel mit der Städtischen nicht, also mit der VIG (Vienna Insurance Group, Anm.). Die Städtische, also die VIG, ist ein internationaler Konzern. Die machen ihr Geld überall – und das ist viel. Und: Ich habe dem Peter (Hanke, lange Jahre Finanzstadtrat in Wien, seit 2025 Infrastrukturminister, Anm.) gesagt: Wie viele Geschäftsführer in der Wien Holding brauchst du in den nächsten zehn Jahren? Wie viele Leute brauchst du? 40, 50, so ungefähr in dieser Größenordnung. AlsoWie viele 30-, 40-Jährige musst du jetzt haben, die Potenzial haben? Wahrscheinlich 60, 70. Habe ich gesagt. Wie viele hast du? Fünf? Wo nimmst du den Rest her?“

Rucks Lösungsvorschlag
Walter Ruck hatte aber auch gleich einen Lösungsvorschlag für die regierende Wiener SPÖ parat: „So: Was mache ich? Ich suche mir eine Partnerorganisation, die Wiener Städtische. Ehrlich gesagt: Ob die 100 Direktoren mehr hat oder weniger, ist so wurscht, wie wenn in China ein Fahrrad umfällt. Und dort teste ich die Leute. Dort lasse ich sie zwei, drei Jahre draußen herumrennen – und dann schau ich mal.“

Doch der langjährige ÖVP-Spitzenmann Ruck geht in dem Gespräch noch weiter: „Ehrlich gesagt: Wenn die SPÖ ihre Vormachtstellung erhalten will, dann wird sie so denken müssen. Sie (die SPÖ, Anm.) lässt sich nur treiben.“

Eine Anfrage zu diesem Sachverhalt an die Wirtschaftskammer Wien blieb unbeantwortet. Zuletzt hatte ein Sprecher des Kammer-Chefs nahezu gebetsmühlenartig erklärt: Es handle sich um „nicht überprüfbare Zitate aus einem Transkript einer nicht verifizierbaren und angeblich illegal angefertigten Tonaufnahme“.