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Oberösterreich schreibt Liebesgeschichte(n)!

· Culture

„Julia ist nicht nur eine literarische Figur, sondern sie lebt auch heute unter uns“, sagt David Bösch. Und Romeo ebenso. Am Samstag hat die berühmte Liebesgeschichte „Romeo und Julia“ in Linz Premiere. Vorab hat das Landestheater alle Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher eingeladen, echte Liebesbriefe zu schicken. Die „Krone“ hat einige davon gelesen.

„Schickt uns eure Liebesbriefe!“ Das war der Aufruf des Linzer Landestheaters. Die Briefe sollten die Inszenierung „Romeo und Julia“, die am Samstag im Schauspielhaus Premiere hat, umrahmen.

Der Aufruf war nicht umsonst: Rund 600 Liebesbriefe sind ins Haus geflattert, einige von ihnen werden auch im Stück zu hören sein, versichert Regisseur David Bösch. Freilich nur „Sätze, manchmal längere Abschnitte“, sagt er. Damit würden sich die Sprachwelten mischen: Shakespeares Sprache in der kraftvollen, bühnentauglichen Übersetzung von Thomas Brasch und „die Liebesgeschichten von heute“.

Zwei Jahre Fernbeziehung über Briefe
Und diese haben eine besondere Kraft, wie Rudi Kiesenhofer aus Kefermarkt bestätigt. Er hat gleich ein ganzes Paket an Liebesbriefen ans Theater geschickt. „Meine heutige Frau war 28 und ich war 30, und wir hatten 21 Monate lang eine Fernbeziehung“, blickt er zurück. Vor 46 Jahren war das gewesen. Damals haben sie sich ständig Briefe geschrieben. „Es gab noch kein Internet, und Telefonieren war teuer.“ Rudi schrieb an seine angebetete Elisabeth 151 Briefe, sie schrieb ihm 126. „Ich habe jetzt alle Briefe in den Computer getippt. Es ist wie eine Zeitkapsel, ein kostbarer Schatz für uns“, sagt der Pensionist.

Seine Liebesbrief-Sendung ans Theater war zweifellos das größte Paket voller froher, glücklicher, aber auch mancher schwieriger Tage.

Glückliche und schwere Tage
„Beim Schreiben war ich ihm wieder ganz nah“, gesteht dagegen eine Dame aus Gmunden, die anonym bleiben möchte. Sie ließ beim Verfassen des Liebesbriefs, den sie ans Theater schickte, wichtige Erinnerungen an ihren Lebenspartner Revue passieren, der viel zu früh gestorben ist. „Der Aufruf tat mir gut, jetzt habe ich alles festgehalten“, sagt sie.

Man braucht nur das Herz öffnen!
Andere ließen ihrer Fantasie freien Lauf, schrieben den „Liebesbrief“ von Barbie an Ken oder tippten markige Liebessprüche wie „Ich denke an deine Haut, die mich aus den Socken haut!“ in eine E-Mail ans Theater. Viele wiederum verfassten Liebesbriefe an ihre Katze. Marie Lande aus dem Innviertel bedankt sich bei dem Vierbeiner, weil er nie von der Seite ihrer kranken Mutter wich. Auch eine Schulklasse des Gymnasiums Dachsberg huldigt den Stubentigern.

Alle Liebesbriefe werden nun im Foyer des Schauspielhauses präsentiert und ausgestellt. Außerdem liegen dort Karten auf, auf die Besucherinnen und Besucher Liebesgeständnisse, Schwüre und Hoffnungen schreiben können. Man braucht nur sein Herz zu öffnen. Jeder ist willkommen!