„Das ist die richtige Entscheidung. Es ist mir eine Herzensangelegenheit“, sagt Ralf Rangnick nach seiner Vertragsverlängerung als ÖFB-Teamchef über die WM hinaus bis Jahresende 2027. Bei einer erfolgreichen Qualifikation für die EM 2028 verlängert sich der Kontrakt automatisch bis zum Turnier in Großbritannien und Irland.
Fußball-Österreich kann aufatmen: Rangnick bleibt! Zuletzt hatte der AC Mailand seine Fühler nach dem 67-Jährigen ausgestreckt. Der Wahl-Salzburger entschied sich jedoch für das Angebot des ÖFB, in dem nicht nur seinen finanziellen Wünschen, sondern nach längerem Hin und Her auch jenen nach einem möglichst professionellen Betreuerstab entsprochen wurde. „Die nun geschaffene Klarheit ist insbesondere für die Mannschaft von großer Bedeutung“, meinte der ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzende Josef Pröll in einer Verbandsaussendung.
Trainerstab als wichtiger Faktor
„Das ist die richtige Entscheidung“, sagte Ralf Rangnick auf der Pressekonferenz im WM-Camp in Santa Barbara in seiner ersten Reaktion. „Ich habe von Anfang an gesagt, dass die Verlängerung eine Grundsatzentscheidung ist, bei der viele Faktoren eine Rolle gespielt haben. Auch die Frage, wer von meinem Trainerstab weiterhin zur Verfügung steht. Für mich war es ganz wichtig zu wissen, dass mein Trainerstab zusammenbleibt.“
Über die Verhandlungen mit Milan sagte Rangnick: „Es gab eine Kontaktaufnahme vor drei Wochen und es gab Gespräche. Ich habe von Anfang ganz klar gemacht, dass ich zur Beginn der WM Klarheit haben möchte – für mich, die Mannschaft, das Land, für den ÖFB, für meine Spieler. Das war von Anfang an klar kommuniziert.“
Und weiter: „Das waren sehr gute und vertrauensvolle Gespräche mit dem ÖFB. Mir war wichtig, dass meine Mitarbeiter weiterhin an Bord sind. „Ich weiß es erst seit Kurzem, dass mit meinen Mitarbeitern alles klar ist, daher gab es die Entscheidung eben erst jetzt. Auch der Trainer von Algerien hat sich gerade erst entschieden, dass er weitermacht. Also der Zeitpunkt ist nicht so ungewöhnlich.“
Die Spieler haben es nach dem Training erfahren, so Rangnick. „Ich habe niemanden gesehen, der jetzt ein schmerzverzerrtes Gesicht gezogen hätte. Für die Spieler wäre es auch nicht so schlimm gewesen, wenn ich mich erst nach der WM entschieden hätte. Aber es ist schon gut, dass jetzt Klarheit herrscht.“
„Herzensangelegenheit“
„Es gab immer wieder solche Situationen, wo ich entscheiden musste, wie es weitergeht. Wenn ich mich nicht wohlfühlen würde, würde ich seit zwei Jahren nicht mehr hier sitzen. Es ist mir einfach eine Herzensangelegenheit“, so Rangnick.
„I am for Austria“
Mit den Worten „I am for Austria“ präsentierte der ÖFB Rangnicks Verlängerung in den Sozialen Medien. Der damalige Interimscoach von Manchester United hatte vor vier Jahren als Nachfolger seines Landsmannes Franco Foda beim Fußball-Bund angeheuert. Nach dem Abstieg aus der Nations-League-Liga A führte Rangnick die ÖFB-Auswahl 2024 als Gruppensieger ins EM-Achtelfinale.
14 Heimspiele in Folge ungeschlagen
Dort setzte es mit einem 1:2 gegen die Türkei in Leipzig allerdings die bitterste Niederlage seiner bisherigen Amtszeit. Durch das Erreichen des Kontinentalturniers in Deutschland stand Rangnick auch für die folgende WM-Qualifikation unter Vertrag. Österreichs erste WM-Teilnahme seit 28 Jahren wurde im November in einem dramatischen Entscheidungsspiel in Wien gegen Bosnien (1:1) fixiert. Auch Rumänien, Zypern und San Marino ließ das ÖFB-Team in der Gruppe hinter sich. Ihre drei WM-Vorbereitungsspiele hat die Rangnick-Auswahl im Frühjahr allesamt gewonnen. Die aktuell 14 Heimspiele in Folge ohne Niederlage sind ÖFB-Rekord.
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Herzog sieht „Push“ für WM-Auftakt
Nach bisher 45 Länderspielen steht Rangnicks Bilanz bei 27 Siegen, acht Remis und zehn Niederlagen. Sein Punkteschnitt von 1,98 Zählern ist der höchste aller ÖFB-Teamchefs nach 1945, die mindestens zehn Partien in der Verantwortung waren. Die Leistungen gilt es nun aber auch bei der WM zu zeigen. Ihr Auftaktspiel bestreiten die Österreicher am Dienstag (6.00 Uhr in der Nacht auf Mittwoch MESZ) in Santa Clara gegen Jordanien. Weitere Gruppengegner sind Titelverteidiger Argentinien und Algerien.
Österreichs bisher letzter WM-Torschütze Andreas Herzog bezeichnete den Zeitpunkt für die Bekanntgabe der Verlängerung als perfekt. „Ende gut, alles gut“, sagte der ORF-Experte in Santa Barbara der APA. In den vergangenen Tagen habe ein wenig Unsicherheit geherrscht. „Jetzt hat er sich für das Nationalteam deklariert, das ist gut genau für das erste Spiel. Das wird der Mannschaft einen zusätzlichen Push geben.“ Das Thema sei nun erledigt. „Jetzt muss ein Sieg gegen Jordanien her, das ist für den österreichischen Fußball jetzt das Wichtigste.“