Richard Wagners „Schreihals“, toll gestemmt
Die Bayreuther Festspiele werden für ihren ersten „Rienzi“ heftig bejubelt. Tenor Andreas Schager wird für seinen kraftstrotzenden Titelhelden vom Publikum gefeiert.
Die Uraufführung 1842 in Dresden war ein Erfolg. Doch für Richard Wagner blieb der mit 27 komponierte „Rienzi“ ein ungeliebter „Schreihals“.
Zumindest die Ouvertüre hat es nicht nur in die Wunschkonzerte geschafft, sondern auch zur Begleitmusik der NS-Reichsparteitage. Denn Hitler war angetan vom pompös vertonten Aufstieg und Fall des Cola di Rienzo, der es mit Volkes Hilfe im mittelalterlichen Rom zum Tribun schaffte, indem er den Adel zum Feindbild erhob.
Der Rest des unausgegoren brodelnden Opernmonsters, das zwischen Beethoven, Weber, Maschner und Meyerbeer oszilliert, wird kaum gespielt. Und doch ist es ein grandioser Steinbruch, mit tollen Findlingen, neben Allerweltsgeröll. Viel vom späteren Wagner, von „Holländer“ über „Lohengrin“ bis „Tristan“, kugelt hier schon auf dem Grund des dramaturgisch unrund selbst verfassten Librettos herum.
Wagner wollte das Stück daher lieber nicht in seinem Bayreuther Festspielhaus gespielt wissen. Doch zum 150-Jahr-Jubiläum hat man es gewagt – und gewonnen.
Vor allem gelingt es den ungarischen Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka, in eigener Ausstattung ein heutiges, spannendes Stück Musiktheater zu zeigen. Ihre Bühne, ganz in Schwarz, Weiß und Rot gehalten, spielt subtil mit den Farben des Dritten Reiches und der Neonazis. In Plattenbautürmen zeigen sie beklemmend das Schicksal des vom Strahlemann zum Mörder verkommenen Populisten und seiner bald paramilitärischen Anhänger. Unterfüttert mit allen Spielarten heutiger Medien-Technologien. Dazu erfreut eine ironische Parade von Wagners späteren Opernfiguren als Festspiel auf dem Festspiel zur Ballettmusik im II. Akt.
Ein Glück ist auch das feinfühlige, alles Pathos hochmusikalisch meidende Dirigat von Nathalie Stutzmann. Sie ist auch den Sängern eine wunderbare Partnerin, in Rollen, die man nur Mörderpartien nennen kann. Allen voran die des Rienzi: Andreas Schager wird vom Publikum darin für seine atemberaubend unerschütterliche Tenorkraft gefeiert, auch wenn darunter manche Feinheit verloren geht. Bombig schlagen sich auch Jennifer Holloway (Adriano), Gabriele Scherer (Irene), Michael Nagy (Orsini) und der geforderte Chor. Das Festspielhaus tobte!