Roxette kehren nach elf Jahren nach Wien zurück. Vor dem Konzert auf der Donauinsel am 22. Juli sprach Per Gessle mit der „Krone“ über das Vermächtnis der Kultband, warum ihn die Bühne bis heute nicht loslässt und weshalb die Fans auch diesmal auf eines zählen können: eine Show voller großer Hits und jeder Menge Nostalgie.
Es gibt Songs, die man nur hören muss – und schon ist man wieder mittendrin. Ob „Listen to Your Heart“, „It Must Have Been Love“ oder „How Do You Do!“: Die größten Hits von Roxette haben Generationen begleitet und sind bis heute aus den Playlists der Pop- und Rockgeschichte nicht wegzudenken.
Mit mehr als 80 Millionen verkauften Tonträgern zählte die schwedische Band rund um Songwriter und Gitarrist Per Gessle sowie Sängerin Marie Fredriksson zu den erfolgreichsten Künstler der 80er- und 90er-Jahre. Weltweite Nummer-eins-Hits, ausverkaufte Tourneen und eine treue Fangemeinde machten die Kultformation zu einer echten Institution. Doch nach Maries Krebsdiagnose im Jahr 2002 trat die Band nur noch vereinzelt auf. 2016 folgte schließlich dann das Tour-Aus und drei Jahre später verstarb Fredriksson im Alter von 61 Jahren an den Folgen ihrer Erkrankung.
Heute hält Per die Musik von Roxette gemeinsam mit der schwedischen Sängerin Lena Philipsson am Leben. Unter dem Motto „Live – Back Again“ gehen die Musiker wieder auf Tour und machen am 22. Juli auch auf der Wiener Donauinsel halt. Die Fans dürfen sich dabei also auf einen Abend voller Nostalgie und großer Hits freuen. Vor dem Wien-Konzert hatten wir die Gelegenheit, Per und seine neue Unterstützung in einem kurzen Zoom-Interview zu treffen.
Gerade einmal acht Minuten standen uns zur Verfügung – acht Minuten mit einer der coolsten Pop/Rockbands der vergangenen Jahrzehnte. Da fragt man sich natürlich: Wie wird der mittlerweile 67-jährige Gessle sein? Gestresst? Wortkarg? – Fehlanzeige.
„Das größte Kompliment“
„He will join the interview in two minutes“, erklärt eine Stimme aus dem Hintergrund des Zoom-Calls. Zunächst ist das Gespräch nur ohne Kamera geplant. Doch keine zwei Minuten später erscheint Per im violetten Hemd gemeinsam mit Lena – die eher mit rockiger Lederjacke glänzen wollte – auf dem Bildschirm. Beide waren ziemlich gut gelaunt und entspannt. „Wir sind gerade in Frankfurt. Die Sonne scheint und heute Abend spielen wir ein Konzert“, erzählt Per gleich zu Beginn lächelnd. Elf Jahre nach dem letzten Österreich-Auftritt kehrt Roxette also nach Wien zurück – diesmal mit einer neuen Popsängerin an seiner Seite. Doch wie fühlt es sich an, nach all den Jahren wieder vor österreichischem Publikum zu stehen? „Es fühlt sich großartig an. Wir haben oft in Österreich gespielt und hatten dort immer fantastische Konzerte. Wir lieben Wien und verbinden die Stadt mit vielen schönen Erinnerungen. Sie ist einfach wunderschön! Deshalb freuen wir uns sehr, zurückzukommen, und hoffen natürlich, den Fans eine großartige Show bieten zu können.“
Dass bei Roxette-Konzerten längst nicht nur jene Fans mitsingen, die die Band schon Jahre zuvor begleitet haben, bedeutet Gessle besonders viel. Viele seien mit den Hits aufgewachsen, andere hätten sie durch ihre Eltern oder ältere Geschwister kennengelernt. „Das ist wahrscheinlich das größte Kompliment, das man als Songwriter und Künstler bekommen kann. Dass eine Generation die nächste mitnimmt und die Musik auch Jahrzehnte später noch so viel bedeutet“, sagt der 67-Jährige. Für ihn sei das alles andere als selbstverständlich: „Ich fühle mich dadurch sehr geehrt.“ Dass Roxette bis heute Menschen auf der ganzen Welt erreicht, beeindruckt ihn immer wieder. „Egal, wo wir auftreten – die Menschen kennen diese Songs. Manche sprechen kaum Englisch und können trotzdem alle Texte mitsingen.“
Vor allem die großen Balladen wie „Spending My Time“ oder „It Must Have Been Love“ zählen zu den emotionalen Höhepunkten jeder Roxette-Show. Doch auch wer die Band zum ersten Mal live erlebt, darf sich auf weit mehr als nur gefühlvolle Klassiker freuen. „Viele sind überrascht, wie rockig unsere Konzerte eigentlich sind. Wir haben drei Gitarristen, viel Energie und gleichzeitig unsere großen Balladen. Es ist eine wundervolle Mischung aus melodischem Pop und Rock und wer das mag, ist bei uns genau richtig“, sagt er lächelnd.
Musik als Lebensaufgabe
Die Begeisterung für die Musik ist dem fast 70-Jährigen bis heute anzumerken. Doch was motiviert den Schweden eigentlich noch, immer wieder auf Tour zu gehen? Für ihn ist die Antwort eindeutig: „Musik ist mein ganzes Leben. Ich habe nie studiert und auch keinen anderen Beruf gelernt. Seit ich 14 oder 15 Jahre alt bin, schreibe ich Lieder und spiele in Bands. Das ist alles, was ich kenne.“
Auch dass seine Musik Menschen auf der ganzen Welt bis heute berührt, ist für ihn Antrieb genug. „Wie könnte ich da nicht auf die Bühne gehen?“, sagt er. Immer wieder werde er gefragt, warum er überhaupt noch auftrete. „Es geht nicht ums Geld“, stellt der Künstler klar. Vielmehr bedeute es ihm alles, diese Tracks weiterhin mit seinem Publikum teilen zu können. „Sie bedeuten so vielen Leuten etwas. Dieses Gefühl lässt sich durch nichts ersetzen – so eine Droge wurde noch nicht erfunden.“
„Das wurde sie wirklich nicht“, wirft Lena lachend ein. Seit mehr als einem Jahr steht die schwedische Sängerin gemeinsam mit ihm auf der Bühne und versucht das musikalische Erbe von Roxette weiter zu führen. Auf die Frage, wie die Zusammenarbeit mit dem Bandgründer funktioniert, scherzt sie zunächst: „Per, halt dir jetzt lieber die Ohren zu – ich erzähle jetzt die Wahrheit“, bevor sie lachend ergänzt: „Es ist wirklich sehr einfach, mit ihm zu arbeiten. Er ist unglaublich positiv, voller Energie und liebt die Bühne und die Musik.“ Ganz ohne Herausforderungen ist die neue Aufgabe aber nicht. „Die Tracks haben einen sehr großen Tonumfang – mit sehr hohen und sehr tiefen Passagen. Man muss stimmlich wirklich alles geben. Aber genau das gefällt mir daran“, erzählt sie. „Du kannst das eben auch“, wirft Per schmunzelnd ein. Lena lächelt und stimmt zu: „Ich muss gut auf meine Stimme achten. Aber es macht großen Spaß und ich hoffe, dass wir noch lange gemeinsam weiterspielen.“
Apropos lange weiterspielen: Wie sehen eigentlich die Zukunftspläne aus? Nach dem Wien-Konzert ist für Roxette jedenfalls noch lange nicht Schluss. Doch dürfen sich die Fans vielleicht sogar auf neue Musik freuen? „Über neue Musik haben wir noch nicht gesprochen und auch noch nichts entschieden. Das ist etwas ganz anderes, als die alten Hits live zu spielen“, verrät Per. Zunächst steht aber die Tour im Mittelpunkt: „Diesen Sommer sind wir in Europa unterwegs, im September geht es weiter nach Nordamerika. Danach sehen wir weiter – Schritt für Schritt.“ In einer Zeit, in der sich vieles ständig verändert, versucht der Musiker, den Moment zu leben. „Es ist eine verrückte Welt – deshalb versuchen wir einfach, jede Sekunde zu genießen.“
Zurück mit den größten Hits
Bleibt am Ende dann nur noch die Frage, worauf sich das Publikum in Wien dann eigentlich freuen darf. Während Lena grinst und dabei nur „Überraschung, Überraschung!“ ruft, verrät Per dann doch mehr. „Wir wollen das musikalische Vermächtnis von Roxette würdigen. Deshalb spielen wir natürlich die größten und besten Hits – alle Songs, die die Menschen am besten kennen.“
Wer also auf einen Abend voller Nostalgie hofft, dürfte nicht enttäuscht werden. Gleichzeitig verspricht Per eine Show, die ganz ohne technische Spielereien auskommt. „Alles, was ihr hört, ist live. Es gibt keinerlei voraufgezeichnete Musik. So sind wir aufgewachsen und genau so wollen wir auch heute noch spielen.“ Eine besondere Rolle kommt dabei Philipsson zu. „Die meisten dieser Songs habe ich ursprünglich für Marie geschrieben. Ich kann sie selbst nicht singen, deshalb brauche ich jemanden, der das kann – und Lena ist dafür einfach perfekt“, erzählt er.
Wenn also am 22. Juli (Tickets: www.oeticket.com) die ersten Töne von „It Must Have Been Love“ über die Donauinsel erklingen, dürfte eines jedenfalls sicher sein: Für einen Abend lebt das Roxette-Gefühl wieder auf – und die nostalgischen Hits wecken bestimmt Erinnerungen, die Generationen bis heute verbinden ...