Russen bei WM? Immer mehr Teams drohen mit Boykott
Mehrere europäische Eishockeyverbände drohen nach dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS zur Rückkehr russischer Teams bei internationalen Eishockey-Turnieren mit einem Boykott. Nach Weltmeister Finnland haben auch Schweden, Dänemark und Norwegen angekündigt, bei Turnieren des internationalen Eishockeyverbands IIHF nicht gegen Russland antreten zu werden. Der Österreichische Eishockeyverband (ÖEHV) reagiert mit einem Statement.
In der vergangenen Woche hatte der CAS den Russen die Rückkehr auf die große Eishockey-Bühne geebnet. Das Schiedsgericht gab einer Berufung des russischen Eishockey-Verbands gegen den Weltverband IIHF statt. Es hob dabei dessen Entscheidung, russische Teams auch in der Saison 2026/27 nicht zuzulassen, mit sofortiger Wirkung auf. Damit wären die Russen bei der Weltmeisterschaft im Mai 2027 in Deutschland spielberechtigt. Eine Entscheidung, die nun für große Aufregung sorgt.
Auch der ÖEHV hat auf das CAS-Urteil reagiert. „Der Österreichische Eishockeyverband (ÖEHV) bedauert die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS). Der CAS hat russische Nationalmannschaften mit sofortiger Wirkung wieder zu den IIHF-Bewerben der Saison 2026/27 zugelassen. Die Position des Verbands ist unverändert: Der ÖEHV lehnt die Rückkehr Russlands klar ab“, heißt es in einem offiziellen Statement.
Mit einem Boykott droht man derzeit aber (noch) nicht: „Der ÖEHV steht hinter der IIHF und unterstützt den Weltverband bei der Prüfung der nächsten möglichen Schritte. Die potenziellen Auswirkungen auf Österreichs Nationalteams werden analysiert.“
Nordische Länder folgen Aufruf
Deutlicher werden unterdessen die Finnen. „Unsere Linie lautet: Wir spielen nicht gegen Russland“, sagte der Präsident des finnischen Eishockey-Verbandes, Heikki Hietanen, in einer Mitteilung. „Wir sammeln derzeit so viele Länder wie möglich für eine gemeinsame Front, um der IIHF zu signalisieren, dass keiner von uns unter diesen Umständen gegen Russland spielen wird.“
Die drei nordischen Länder folgten dem Aufruf. „Unsere Position bleibt unverändert: Solange der Krieg in der Ukraine andauert, sollte Russland von allen internationalen Meisterschaften ausgeschlossen werden“, teilte der norwegische Verband mit und begründete den Schritt mit „erheblichen Sicherheitsrisiken“ für Spieler und Betreuer.
Seit Ende Februar 2022 war Russland aufgrund des Angriffskrieges gegen die Ukraine vom Weltverband von allen internationalen Turnieren und Weltmeisterschaften ausgeschlossen.
WM-Ausrichter Deutschland sieht CAS-Urteil „sehr kritisch“
Der Deutsche Eishockey-Bund prüft derzeit, ob er wie geplant im nächsten Jahr die WM der Männer ausrichten kann. „Ich möchte keine Schwarzmalerei betreiben. Ich möchte auch nicht die Weltmeisterschaft infrage stellen. Aber natürlich müssen wir uns als DEB auch mit der Option befassen, dass wir diese Weltmeisterschaft zurückgeben“, sagte der DEB-Vorstandsvorsitzende Frank Lutz am Wochenende. Auch die Bundesregierung sieht die CAS-Entscheidung „sehr kritisch“, teilte ein Regierungssprecher mit. „Über mögliche Folgen des Urteils, auch auf die Eishockey-WM 2027 in Deutschland, wird sich die Bundesregierung zeitnah mit dem Deutschen Eishockey-Bund austauschen.“ Dem Vernehmen nach soll es noch in dieser Woche Krisengespräche zwischen DEB, Weltverband und Bundesregierung geben.
Neben Verbänden haben auch Sponsoren reagiert. Das schwedische Unternehmen AJ Products, seit 1989 Sponsor der Männer-Weltmeisterschaft, hat angekündigt, die WM im kommenden Jahr nicht zu unterstützen, sollte Russland teilnehmen. Ähnlich äußerte sich der finnische Reifenhersteller Nokian Tyres. Die finnische Stadt Turku hat bereits angekündigt, dass sie auf die Ausrichtung der Junioren-WM 2028 verzichten wird, sollte Russland daran teilnehmen.