Politik

Sager wirkt nach: Mütter-Aufstand gegen Kanzler

Sager wirkt nach: Mütter-Aufstand gegen Kanzler

Mamma mia: Bundeskanzler Stocker lieferte mit Aussagen zur Kinderbetreuung einen Eklat. Nach heftiger Kritik entschuldigte er sich auch offiziell. Die „Krone“ hat Mütter im ganzen Land nach ihrer Meinung dazu gefragt. Und die haben eine klare Meinung.

Der Kanzler sucht bei seiner Sommertour die Nähe zu den Bürgern. Beim jüngsten Tour-Halt in Salzburg baute Christian Stocker jedoch eine meterhohe Mauer auf. Eine der wie immer vorab ausgewählten Teilnehmerinnen fragte den ÖVP- und Regierungschef nach mehr finanzieller Unterstützung für Mütter. Die Antwort stieß viele Frauen vor den Kopf.

Donnerstag, 17 Uhr: Im Hotel Pitter startet die öffentliche Fragerunde. Kurz nach Beginn steht eine Frau im Publikum auf und wendet sich an Stocker: „Herr Bundeskanzler“, fragte sie, „wie wollen Sie Frauen und Kinder glaubwürdig unterstützen, wenn das politische System sie im Alltag mit unbezahlter Care-Arbeit, finanziellen Belastungen und struktureller Unsichtbarkeit alleine lässt?“ Österreichs Frauen würden pro Woche 96 Stunden unbezahlte Kinderbetreuung leisten.

Stockers Antwort sorgt im Saal für Erstaunen und Empörung. Und selbst die sonst redegewandte Moderatorin Arabella Kiesbauer bleibt kurz sprachlos zurück. Kiesbauer, selbst zweifache Mutter, sieht sich zu einer Klarstellung genötigt: „Ohne uns Mütter würde das System zusammenbrechen ...“

Der Sager, der Stocker länger nicht loslassen wird, sorgte für viel politischen Nachhall. Grünen-Chefin Leonore Gewessler schrieb: „Mamas verdienen keine Verhöhnung.“ FPÖ-Chef Herbert Kickl sprach ebenfalls von „Verhöhnung“ und erinnerte an das „Burger-Gate“ von Karl Nehammer. Die ÖVP blieb leise. Niederösterreichs Landeschefin Johanna Mikl-Leitner schrieb: „Ich kenne unseren Kanzler so, dass er meint, dass unsere Kinder für uns Eltern bei aller Arbeit aber vor allem noch viel mehr Freude bedeuten.“

Aber auch in der Bevölkerung fühlen sich viele vor den Kopf gestoßen, die „Krone“ hat sich umgehört:

Die Aussage kam politisch zur Unzeit, just drei Tage vor dem Equal Pension Day — jenem Tag, an dem Männer bereits so viel Pension bezogen haben wie Frauen bis Jahresende.

Am Tag danach dämmerte das dem Kanzler. „Ein Satz von mir sorgt gerade für Diskussionen. Zu Recht, denn er ist falsch“, schrieb er. „Bei all jenen, die sich durch meine Aussage verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlen, entschuldige ich mich in aller Deutlichkeit.“

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