Die neue Wehrdienstreform sorgt in der Bevölkerung für gemischte Gefühle. Die Politik will so die Landesverteidigung stärken – aber wie sehen das junge Steirer? Die „Krone“ hat sich am Dienstag umgehört.
„Wahrscheinlich werden künftig sogar weniger zum Bundesheer gehen. Viele, die ich kenne, entscheiden sich nur dafür, weil der Grundwehrdienst bisher kürzer war als der Zivildienst“, sagt Stefan Stockner (19) aus St. Radegund. Mit dieser Einschätzung steht er nicht allein da.
Kilian Hierhold (19) aus Kumberg im Bezirk Graz-Umgebung geht schon bald zum Bundesheer – noch bevor die Reform greift. Auf seine Entscheidung hätte sie aber durchaus Einfluss gehabt: „Wenn die neuen Regeln für mich gegolten hätten, wäre ich zum Zivildienst gegangen. Ich habe mich nur wegen der kürzeren Dauer für das Bundesheer entschieden.“
Milizübungen verlängern den Militärdienst
Mit der Reform soll der bisher sechsmonatige Grundwehrdienst um zwei Monate Truppenübungen ergänzt werden. Danach folgen im Abstand von jeweils zwei Jahren drei verpflichtende zehntägige Milizübungen. Insgesamt dauert der Wehrdienst damit künftig genauso lange wie der Zivildienst.
Im Gegenzug sollen Grundwehrdiener künftig 1000 Euro pro Monat erhalten und erstmals auch Urlaubsanspruch bekommen. Darauf hat sich die Bundesregierung am Montag geeinigt. „Ich finde die Verlängerung grundsätzlich nicht schlecht“, sagt Hierhold. „Dann müsste aber auch der Zivildienst entsprechend verlängert werden.“
Längerer Zivildienst ist wahrscheinlich
Für Nicolas Pieber (17), Schüler aus Gutenberg, stand ohnehin fest, dass er Zivildienst leisten wird. Auch er glaubt, dass die Reform den gegenteiligen Effekt haben könnte: „Wahrscheinlich werden sich dadurch noch weniger junge Männer für das Bundesheer entscheiden.“ Dass in weiterer Folge auch der Zivildienst verlängert werden könnte, hält er für durchaus denkbar. Stefan Stockner sieht dabei praktische Probleme: „Gerade in Kindergärten könnte das schwierig werden, weil viele Einrichtungen ja in den Sommermonaten geschlossen haben.“
Lukas Knotz (20) muss diese Entscheidung gar nicht treffen – er ist untauglich. Auch er hätte sich gegen das Bundesheer entschieden: „Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich nicht einrücken muss. Sonst wäre ich zum Zivildienst gegangen.“