So startete UEFA-Boss die Revolte gegen Infantino
Sein Meisterstück als UEFA-Boss hat Aleksander Ceferin quasi zum Ende seiner gut zehnjährigen, 2027 zu Ende gehenden Amtszeit abgeliefert – und der Funktionär hätte wahrscheinlich gerne darauf verzichtet. Innerhalb von 48 Stunden organisierte Ceferin – ein Rechtsanwalt aus Slowenien – in Europa den geschlossenen Widerstand gegen den milliardenschweren WM-Investorenplan, mit dem Gianni Infantino und die FIFA in dieser Woche die Fußball-Welt verblüfften.
Ceferins UEFA torpedierte das FIFA-Geschäftsgebaren in drei Akten. Teil eins: Empörung. „Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften.“ Teil zwei: Spott. „Das sagt alles über diesen Plan aus, was man wissen muss“, hieß es zum Ultimatum 19. September. Teil drei war der offene Bruch mit der FIFA und eine sportpolitische Explosion. Ceferin versammelte alle 55 Mitgliedsverbände – auch die zunächst abtrünnigen Tschechen – hinter sich und droht der FIFA mit dem Boykott aller FIFA-Bewerbe.
Wie bei Teil eins (Empörung) und Teil zwei (Spott) wird Ceferin in der offiziellen UEFA-Stellungnahme nach der Dringlichkeitssitzung vom Donnerstag nicht zitiert, er wird in der Mitteilung nicht einmal namentlich erwähnt. Doch der 58-Jährige ist wieder einmal derjenige, der den Widerstand anführt. So war es auch schon bei Infantinos gescheiterten Milliardenplänen im Jahr 2018 und der von Topclubs erdachten und vorbereiteten Super League, die Ceferin und seine UEFA 2021 auf spektakuläre Art und Weise platzen ließen.
Gegenentwurf zu Infantino
Ceferin ist in vielen Belangen der Gegenentwurf zu Infantino. So pflegt er auch keine eigenen Social-Media-Kanäle. Dafür könnte er mit der offenen Drohung an die FIFA dafür sorgen, dass nicht nur das Investorenprojekt für mehr Geld für alle, mehr Einfluss für die USA und eine Dauerboss-Rolle für Infantino platzt. Sondern auch, dass sein Erzfeind Infantino über den eigenen Plan stolpert – und sich viel früher als gedacht von der großen Macht verabschieden muss.
Denn Ceferin, gelernter Rechtswissenschaftler und früher aktiver Karateka, und seine UEFA haben die Tür für Investoren bei der FIFA nicht nur zugeschlagen, sondern quasi verrammelt. Dass alle 55 europäischen Nationen innerhalb dieser kurzen Zeit „verbindliche Zusagen“ fordern, die FIFA-Führung dürfe sich „nie wieder für private Eigentümer“ öffnen, ist ein beispielloses Stück der Geschlossenheit. Und es ist von Ceferin orchestriert. Dass die Verbände Nord-/Mittelamerika/Karibik und Asien folgten, lag sicher auch daran, dass Ceferin und die UEFA vorpreschte.
Signal nach Skandal
Ceferin liegt mit Infantino schon längere Zeit im Clinch. Beim WM-Finale vor knapp zwei Wochen in East Rutherford bei New York war Ceferin nicht im Stadion, obwohl UEFA-Vertreter Spanien gegen Argentinien antrat. Man konnte die Abwesenheit des europäischen Verbandsbosses durchaus als Signal nach dem Skandal um Folarin Balogun werten. Der US-Stürmer bekam bei der WM seine Rotsperre für das Achtelfinale erlassen, nachdem US-Präsident Donald Trump bei Infantino angerufen hatte. Schon damals hatte die UEFA davon gesprochen, dass „eine rote Linie überschritten“ sei.