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Stadt kauft Jelinek-Kunstschatz um 600.000 Euro!

· Culture

Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek übergibt jetzt einen Teil ihres Lebenswerks der Stadt Wien. Die greift dafür tief in die Tasche: Für den sogenannten Teilvorlass soll die stolze Summe von 600.000 Euro fließen. Doch warum gerade jetzt – mitten in Sparzeiten? Die FPÖ schießt dagegen.

Es ist ein bedeutendes Stück österreichischer Literaturgeschichte: der Teilvorlass von Elfriede Jelinek. Also Dokumente und Werke, die eine Person noch zu Lebzeiten an ein Archiv oder eine Bibliothek übergibt. Die Stadt hat jetzt beschlossen diesen, um mehr als eine halbe Million Euro anzukaufen. Der Kauf kommt allerdings in finanziell angespannten Zeiten.

Stadt weist Kritik zurück
Die Stadt spricht von einer „einmaligen Chance“ und einem kulturellen Erbe von Weltrang. Aus der zuständigen MA 9 (Wienbibliothek im Rathaus) heißt es dazu auf „Krone“-Anfrage: „Die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ist die bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller-Persönlichkeit Österreichs, ihr Werk wird weltweit gelesen, gespielt, diskutiert. Die Übernahme ihres literarischen Archivs ist für die Stadt Wien, wo Jelinek lebt und schreibt, eine große Chance zur Erhaltung dieses bedeutenden kulturellen Erbes. Die für den Ankauf veranschlagte Summe von 600.000 Euro steht in Bezug zu vergleichbaren Ankäufen bedeutender Schriftstellerbestände in Österreich.“  

Heftige Kritik an dem Kauf kommt von den Freiheitlichen. „Während die Stadt pleite ist, will die rot-pinke Stadtregierung Elfriede Jelinek 600.000 Euro überweisen“, poltert FPÖ-Wien Kultursprecher Lukas Brucker. Angesichts des laufenden Sparzwangs sei der teure Kauf nicht nachvollziehbar. Dienstagnachmittag tagt der zuständige Kulturausschuss, wo der Ankauf offiziell beschlossen werden soll. Die FPÖ will dagegen stimmen.

Der „Jelinek-Nachlass“ besteht übrigens aus Werkmanuskripten und Typoskripten, Korrespondenzen, Lebensdokumenten und von der Autorin selbst angelegte Sammlungen. Doch wie kommt man auf die stolze Summe von 600.000 Euro?

Laut Stadt wurde der Preis auf Basis von zwei Gutachten festgelegt. Ab einem Ankaufspreis von 70.000 Euro sei neben einem internen Schätzgutachten auch ein externes Gutachten eines unabhängigen Experten vorgeschrieben.  

Wie viele einzelne Dokumente sich genau darin befinden, will die Stadt erst im Falle des Ankaufs veröffentlichen. Hohe Summen für die Lagerung sollen jedenfalls nicht anfallen. Der Transport wird magistratsintern organisiert, die weitere Archivierung, Aufarbeitung und Erschließung fällt laut Stadt unter das laufende Kerngeschäft der Wienbibliothek. Und dann soll auch die Öffentlichkeit etwas vom 600.000-Euro-Schatz haben: Nach der Aufarbeitung soll der Bestand zugänglich gemacht werden. 

Zum Vergleich: Für den Nachlass von Thomas Bernhard bezahlte die Österreichische Nationalbibliothek 2022 sogar 2,1 Millionen Euro. Der Bernhard-Bestand sei allerdings wesentlich umfangreicher und geschlossener gewesen und habe unter anderem sämtliche Werke, umfangreiche Korrespondenz und Unveröffentlichtes umfasst.