Starke Steilvorlage des Kabarett-Altmeisters
„Wie es mir gefällt“ heißt das Jubiläumsprogramm von Andreas Vitásek, in dem der Kabarettist seinen 70. Geburtstag und 45 Jahre Bühnenpräsenz feiert – ein voller Erfolg, der auch beim Premierenpublikum in der Kulisse Wien blendend ankam.
Andreas Vitásek hat einen unschlagbaren Vorteil. Er ist lustig. Auch wenn er nichts sagt. Der sprichwörtliche Schalk sitzt dem professionellen Pantomimen im Nacken. Aus dem Gesicht lacht einem seit 70 Jahren ein Spitzbub entgegen, der mit seinem dankbaren Publikum seit 45 Jahren erfolgreich Schabernack treibt.
Wenig überraschend also, dass auch sein Jubiläumsprogramm „Wie es mir gefällt“ eine Punktlandung ist. Vitásek beherrscht wie kaum ein anderer die Kunst des Witze-Pointillismus: Da ein Gschichterl, dort eine Anekdote dazwischen ein Seitenhieb – gekonnt zu einem facettenreichen Ganzen gemischt. Statt mit Brachialkomik zu pinseln, schraffiert er mit feiner Klinge. Bei Witzen greift er zurück auf seinen über Jahrzehnte angesammelten Pointen-Vorrat. Wie ein Apothekenroboter liefert er blitzschnell passgenaue Gags, läuft zur Hochform auf, wenn spontan Situationskomik gefragt ist.
Das Schöne bei Vitásek: Bei ihm stimmt immer die Dosierung. Nie zu tief oder derb, immer treffsicher zeigt er dorthin, wo es gesellschaftlich wehtut. Ohne zu moralisieren. Zum Jubiläumsprogramm trifft man alte Bekannte wie seinen Mops, hört einen einzigartigen 1991 gereimten Gag, begegnet seinem toten Vater (dem legendären Handpuppen-Tod jedoch nicht), fährt mit der U6 durch Wien, trifft Falco in der Sauna, Udo Jürgens an der Bar und treibt Peter Handke in Paris in die Flucht. Ob das alles so passiert ist? Was weiß man, schmunzelt Vitásek.
Sein treues Publikum ist mit Vitásek gealtert. Das merkt man an den besonders lauten Lachern, wenn er die Hürden der ID-Austria durch den Kakao zieht oder sinniert: „Ein Vorteil des Alters ist, dass man die Gelsen im Schlafzimmer nicht mehr hört.“ Am Ende noch ein Couplet aus dem „Alpenkönig“, ein auf der Bühne prompt erledigter Autogrammwunsch („Was soll ich schreiben? Vitásek?“) und ein Witz aus dem Grünmandl-Universum, dann ist nach knapp 2,5 Stunden Schluss. Eine Steilvorlage für jeden jungen, hippen, Stand-up-Comedian.