Aufgrund der grassierenden Treibstoff-Krise sind die Russen gezwungen, sich stunden- oder manchmal sogar tagelang für Benzin anzustellen. Doch das geht an die Substanz: Mittlerweile ist es in den Staus schon zu einigen Todesfällen gekommen.
Der Alltag in Russland wird immer härter und anstrengender, in letzter Zeit ist vor allem das Autofahren extrem umständlich geworden. Denn Benzin ist Mangel-Ware. In vielen Regionen gibt es Beschränkungen für die Sprit-Menge pro Fahrzeug. An einigen Orten wurden Systeme etabliert, bei denen nach Autonummer oder QR-Codes getankt wird.
Auf Mitleid darf in dem gewaltigen Getümmel niemand hoffen. „Die Polizei lässt kein Vordrängeln zu, weil die Leute stundenlang warten, sauer sind und vielleicht sogar jemanden verprügeln könnten“, erzählt ein Russe namens Vlad in einem Video auf Instagram. Er selbst musste sich schon einmal 36 Stunden lang in einer Warteschlange gedulden.
Mann starb bei der Zahlung
Eine Realität, in der die Gesundheit von manchen Bürgern versagt. Im Gebiet Perm verließen einen älteren Herrn im Stau seine Kräfte, berichtet die lokale Zeitung „Iskra“. Zeugen riefen demnach die Rettung – für den 80-Jährigen kam jede Hilfe zu spät. In Karelien hatte ein 75-Jähriger die Schlange erfolgreich durchgestanden und sein Fahrzeug mit Benzin versorgt. Doch bei der Bezahlung fehlten ihm ein paar Rubel, schreiben russische Medien. Dort klappte er zusammen und starb an Ort und Stelle. Die Tankstellenleiterin fuhr laut den Angaben schnell das Auto des Toten weg und rief die Einsatzkräfte.
Auch Jüngere tun sich zunehmend schwer. In der Nähe einer Tankstelle in der Stadt Tschita schied ein 43-Jähriger aus dem Leben, laut Medienberichten hatte er eine Bekannte zum Zapfhahn chauffiert. Vonseiten der Polizei hieß es lapidar, die Leiche im Pkw habe keine Anzeichen von Gewalteinwirkung aufgewiesen.
Viele sind wütend auf Putin
Fraglich bleibt, wie lange die Bevölkerung die Missstände noch ertragen wird. „Man verspürt große Lust, (Kremlchef Wladimir, Anm.) Putin am Kragen zu packen, ordentlich durchzuschütteln und zu sagen: ,Sieh dir an, was du verdammt noch mal angerichtet hast!‘ Das betrifft nicht nur das Benzin, sondern überhaupt alles, was gerade passiert“, erzählte eine verzweifelte Russin dem Exilmedium „Meduza“.