Tanz mit dem Patriarchat am Hoftheater Hainersdorf
Die Rabtaldirndln laden mit ihrer herbst-Produktion „Dreschen – ein Brauchtum“ ins Hoftheater Hainersdorf und erkunden dort in einem waghalsigen Reigen Frauenfeindlichkeit und häusliche Gewalt.
Mit „Mei Voda ist a Drescher und a Drescher bin i. Mei Voda drischt ’n Howan und die Weiber drisch i“ geben die Rabtaldirndl gleich zu Beginn die Richtung vor. Denn egal, was man zu diesem Gstanzl dichtet, frauenfreundlich ist es nicht. Das zeigen auch die vielen Herrenwitze, die einem stakkatoartig um die Ohren gedroschen werden. Tief sitzen die patriarchalen Strukturen (nicht nur) am Land und lustig ist es allweil, wenn über die Frauen hergezogen wird.
Am Anfang ist es immer schön
Dabei ist es am Anfang doch immer schön. Wenn die Liebe keimt, übersieht man gerne Besitzanspruch, Bevormundung und Kontrolle. Doch bei genauerer Analyse erweist sich selbst der anbahnende Volkstanz als ein frauenfeindliches Konstrukt, nicht nur, weil der Mann immer führt und die Frau immer gehorcht.
Mit der Routine schleicht sich ein althergebrachtes Rollenbild in die Beziehung, das nicht selten in brachialer Gewalt mündet – was Femizide und steigende Zahlen an häuslicher Gewalt traurigerweise bezeugen. Dass das nicht nur für den ländlichen Raum gilt, wird im Laufe des Stücks deutlicher.
Großes Thema für einen Abend
Barbara Carli, Rosa Degen-Faschinger, Bea Dermond und Gudrun Maier sind genaue Beobachterinnen, dazu noch faszinierende Darstellerinnen und Sängerinnen. In der Regie von Ed. Hauswirth lassen sie Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung gekonnt ineinanderfließen. Und doch schaffen sie es dieses Mal nicht, die Besucher direkt zu packen. Das liegt vielleicht auch daran, dass dieses Thema einfach zu groß und komplex für nur einen Abend ist. Sehenswert ist „Dreschen“ aber in jedem Fall!