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Theater im Bahnhof blickt in die eigene Zukunft

· Culture

Das Theater im Bahnhof begibt sich mit „2073: Die neue Kolonie“ auf eine Zeitreise in eine fast postapokalyptische Dystopie im beängstigend nahen Jahr 2073 – und findet in all dem Schrecken auch Humor und Hoffnung. 

In einer dystopischen Welt, in der weibliche Pronomen auf der Bühne verboten sind, in der Klimalockdowns und Wassermangel herrschen, in der queere Menschen und unverheiratete Frauen als Bestäuber anstatt der ausgestorbenen Bienen zwangsarbeiten, gibt es eine Kolonie, in der man noch an demokratische Ideale zu glauben scheint: das Theater im Bahnhof. 

2023 hat Helene Thümmel eine „spekulative Posse“ über die Zukunft der prägenden Theatergruppe geschrieben. Wo wird sie stehen, wenn Thümmel in Pension geht und ihre Tochter Zofka übernimmt? Im Trachtensaal des Volkskundemuseums wurde „2073“ unter Ed. Hauswirths Regie uraufgeführt. Die imaginierte Vergangenheit und die vorgestellte Zukunft greifen dort perfekt ineinander. Zuerst schaut man in die leeren Augen der Holzfiguren, dann schreiten Gabriela Hiti, Eva Hofer, Elisabeth Holzmeister, Monika Klengel und Wolfgang Lampl über die Glasbrücke wie aus einem Raumschiff. Sie präsentieren die Trachten der Zukunft. Jacob Banigan ist ein kühler Kurator des Geschehens.

Die futuristisch-verspielten Kostüme von Johanna Hierzegger und Helene Thümmel und die Musik von Benno Hiti geben der Kolonie ein außerirdisches Gefühl. Der Abend ist oft witzig, aber oft zu bedrohlich, um in Gelächter auszubrechen, denn das Schockierendste an dieser Dystopie sind ihre Aussagen über die Gegenwart. „In den 20er-Jahren besann man sich auf Traditionen“, heißt es da einmal, oder: „Wann hat das alles angefangen? Mit dem steirischen Genderverbot oder mit ICE in Minnesota?“

Im Programmheft liefert das TiB noch eine Chronologie der nächsten 50 Jahre mit: FPÖ-Regierung, Autokratie, EU-Austritt, Ende des Euros, Krieg mit der KI, Periode des Extremwetters. Dass „2073“ am Vorabend des Aufsteirerns Premiere hat, passt da ausgezeichnet. Und trotzdem gibt die Kolonie auch Hoffnung, denn sie ist Zufluchtsort, damals (heute) wie heute (2073).

Weitere Termine: 22./23. September, 22./23. Oktober und 5./6./7. November, jeweils 19 Uhr im Volkskundemuseum Graz.