Vier gefallene US-Soldaten verschwanden plötzlich aus der offiziellen Statistik des Pentagon – zumindest vorübergehend. Die Änderung der Opferzahlen nach dem Krieg gegen den Iran sorgt in den USA für heftige Kritik. Angehörige, Veteranen und Politiker werfen dem Verteidigungsministerium mangelnde Transparenz und Respekt gegenüber den Gefallenen vor.
Auf der Internetseite des Pentagon war die Zahl der im Rahmen der Militäroperation „Operation Epic Fury“ getöteten US-Soldaten zunächst mit 18 angegeben. Wenig später wurde sie jedoch auf 14 reduziert. Nach Angaben von Militärvertretern wurden vier Soldaten aus der Statistik herausgenommen, weil sie erst nach dem von US-Präsident Donald Trump im April verkündeten Waffenstillstand bei Einsätzen in Jordanien und im Irak ums Leben gekommen seien.
Pentagon spricht von „Datenstörungen“
Wie die „New York Times“ berichtet, begründete das Pentagon die Änderung zunächst mit „vorübergehenden Datenstörungen“ auf der Website. Am Wochenende wurde die Datenbank schließlich erneut angepasst: Die vier Soldaten werden nun in einer eigenen Kategorie mit der Bezeichnung „Overseas Operations“ geführt, die Einsätze ab dem 7. Juli 2026 erfasst.
Dadurch bleibt die Zahl der im Iran-Krieg gefallenen Soldaten offiziell bei 14, während die vier weiteren Todesfälle separat ausgewiesen werden.
Veteranen sprechen von „Schlag ins Gesicht“
Die Umstellung löste scharfe Kritik aus. Tanya Stamos, eine Veteranin der US-Marine und Gründerin einer gemeinnützigen Organisation für Veteranen, bezeichnete die Herabsetzung der Opferzahl als „widerlich und entmutigend“. Es sei ein Schlag ins Gesicht jener Soldaten, die ihrem Land gedient und dafür ihr Leben gegeben hätten.
Auch Angehörige äußerten ihren Unmut. Dominic Ascioti, dessen Bruder während des Konflikts im Nahen Osten stationiert war, sprach entweder von „grober Inkompetenz“ oder einem bewussten Versuch, die Realität zu verzerren. Familien hätten Anspruch auf größtmögliche Transparenz darüber, was mit ihren Angehörigen geschehen sei.
Auch der Kongress fordert Aufklärung
Die Kritik erreichte auch den US-Kongress. Demokratische Senatoren forderten Verteidigungsminister Pete Hegseth in einem Schreiben zu einer vollständigen Aufstellung aller getöteten und verwundeten Soldaten auf. Sie bemängeln, dass das Pentagon während des Konflikts nicht immer zeitnah und umfassend über Opfer informiert habe.
„Riesige Respektlosigkeit“ gegenüber den Familien
Auch Veteranenorganisationen sehen die neue Zählweise kritisch. Der „Guardian“ zitiert den pensionierten Konteradmiral Michael E. Smith mit den Worten, es sei eine „riesige Respektlosigkeit“ gegenüber den Familien der Gefallenen. Die Behauptung, die vier Soldaten seien nicht als Opfer des Krieges, sondern lediglich bei „Auslandseinsätzen“ ums Leben gekommen, sei „lächerlich“.
Zusätzliche Kritik entzündet sich daran, dass das Pentagon seine Datenbank gleichzeitig um mehr als 140 verwundete Soldaten ergänzte. Nach Angaben des „Guardian“ wurden die vier getöteten Soldaten – 1st Lt. Tyler James Feehan, Pvt. Isabella Gonzales, Sgt. Angel S. Rampersad und Sgt. Michael Emmanuel Swinton – der neuen Kategorie „Overseas Operations“ zugeordnet.
Regierung verweist auf Gesetzesauslegung
Die Trump-Regierung begründet die Trennung der Opferzahlen mit ihrer Auslegung des War Powers Act von 1973. Dieses Gesetz verpflichtet den Präsidenten grundsätzlich dazu, militärische Einsätze nach 60 Tagen zu beenden, sofern der Kongress keiner Verlängerung zustimmt. Nach Auffassung der Regierung setzte der im April vereinbarte Waffenstillstand diese Frist vorübergehend aus, weshalb die späteren Einsätze getrennt erfasst würden.
Kritik aus beiden Großparteien
Diese Argumentation stößt jedoch auch bei Politikern auf Widerstand. Der republikanische Kongressabgeordnete Thomas Massie sprach von einem „absurden Trick“ und erklärte, das Pentagon tue so, als habe es zwei getrennte Iran-Kriege gegeben. Die demokratische Senatorin Kirsten Gillibrand forderte vollständige Transparenz über die menschlichen Kosten des Konflikts und kündigte an, sich weiter für Aufklärung einzusetzen.
Unterdessen dauern die Diskussionen über die Informationspolitik des Pentagon an. Veteranenverbände sehen in der geänderten Statistik ein weiteres Beispiel für einen aus ihrer Sicht problematischen Umgang mit den tatsächlichen Folgen des Krieges und fordern eine lückenlose Offenlegung aller Todes- und Verletzungszahlen.