FIFA-Chef Gianni Infantino und sein „guter Freund“ Donald Trump pflegen ein sehr enges Verhältnis und zeigten sich rund um die Fußball-Weltmeisterschaft vielfach zusammen öffentlich. Nun möchte der US-Präsident offenbar den Schweizer auf einen international sehr einflussreichen Posten hieven.
Dass Infantino als Handlanger Trumps dient, ist nicht erst seit der WM bekannt. Bei der Auslosung im vergangenen Winter erhielt der US-Präsident aus den Händen Infantinos den neu geschaffenen FIFA-Friedenspreis. Während der WM intervenierte Trump beim FIFA-Boss, um eine Rotsperre eines US-Spielers aufzuheben – Infantino stimmte kompromisslos zu.
„Sie brauchen keine Komplimente, Herr Präsident ...“
Bei einem bemerkenswerten Auftritt bei der WM-Abschlusskonferenz überhäuften sich beide schließlich gegenseitig mit Lob. „Sie brauchen keine Komplimente, Herr Präsident, aber ohne Sie wäre diese Weltmeisterschaft nicht zu einem so unglaublichen Erfolg geworden“, schwärmte der FIFA-Chef vom Republikaner im Weißen Haus.
Bericht: Trump wünscht sich „großartigen“ Infantino als UN-Boss
Nun will Trump diese bedingungslose Loyalität des Schweizers offenbar zurückzahlen. Denn der 80-Jährige votiert für Infantino als nächsten Generalsekretär der Vereinten Nationen (UNO). Trump sei der Ansicht, dass Infantino „weltweit von allen respektiert wird und eine besondere Fähigkeit besitzt, Menschen zusammenzubringen“, berichtet die „New York Post“ unter Berufung auf eine namentlich nicht genannte Quelle aus dem Umfeld des US-Staatschefs.
UN-Führungsspitze wird neu gewählt
Zur Info: Bei den Vereinten Nationen (offizieller Hauptsitz befindet sich in New York City) wird noch in diesem Jahr die Führungsspitze neu gewählt. Der aktuelle Chef, der Portugiese António Guterres, legt sein Amt Ende Dezember nieder. Um sich das Amt zu sichern, muss man die Zustimmung des 15-köpfigen Sicherheitsrats gewinnen und anschließend von der Generalversammlung bestätigt werden.
193 UN-Mitgliedsstaaten, bei FIFA gibt es über 200 Mitglieder
Laut Trumps Sonderbeauftragten für Globale Partnerschaften, Paolo Zampolli, bringt der FIFA-Chef die idealen Voraussetzungen für den Job an der Spitze der UNO mit. „Es gibt gewisse Ähnlichkeiten“ zwischen den Ämtern des FIFA-Präsidenten und des UN-Generalsekretärs, sagte Zampolli, der auch mit Infantino befreundet ist. „Bei den Vereinten Nationen hat man es mit 193 Mitgliedstaaten zu tun. Bei der FIFA gibt es über 200 Mitglieder – und Giannis beeindruckende Erfolgsbilanz zeigt, dass er weiß, wie man das Ganze leitet.“ Der Hauptsitz der FIFA befindet sich in Zürich (Schweiz).
Eiszeit zwischen Trump und UNO
Das Verhältnis von Trump zu den Vereinten Nationen ist bekanntlich schwer angespannt, der US-Präsident bezeichnete viele UN-Organisationen als ineffektiv und teuer. Die Zuschüsse aus Washington kürzte er und trat aus verschiedenen Teilorganisationen aus. Mit dem „Board of Peace“ gründete er im Jänner sein eigenes zwischenstaatliches Gremium, welches angibt, internationale Konflikte lösen zu wollen.
FIFA: Infantino stellt sich nächstes Jahr der Wiederwahl
Ob Infantino aber selbst überhaupt Interesse an dem Posten hat, ist noch völlig unklar. Der Chef des Fußball-Weltverbandes arbeitet derzeit eigentlich an seiner eigenen Wiederwahl für den Zeitraum bis 2031. Im März nächsten Jahres wird der oberste Posten bei der FIFA neu gewählt. Gegenkandidaten drohen Infantino dort bislang nicht. Er hat sich offenbar vielmehr bereits die überwältigende Mehrheit unter den 211 FIFA-Mitgliedsländern gesichert.
Millionenschwerer FIFA-Boss
Funfact: Für Infantino würde der UN-Job erhebliche finanzielle Einbußen bedeuten. An der FIFA-Spitze streift er aktuell rund sechs Millionen Dollar (5,25 Millionen Euro) jährlich ein, der UN-Boss kassiert jährlich ein Brutto-Gehalt von rund 418.000 Dollar (366.000 Euro).