Während die Russen tagelang für eine einzige Tankfüllung im Stau stehen, tut die Ukraine alles dafür, dass der Sprit im Land noch knapper wird. Bei ukrainischen Drohnenangriffen wurde jetzt wieder eine russische Raffinerieanlage beschädigt – doch Russlands Präsident Wladimir Putin wehrt sich.
Die Ukrainer haben die Ölraffinerie in Sysran im russischen Gebiet Samara an der Wolga attackiert. In der Anlage sind mehrere große Brände zu sehen, wie das unabhängige Internetportal „Astra“ berichtet. Die Anlage war nicht zum ersten Mal attackiert worden, schon Ende Mai musste sie abgeschaltet werden – davor waren darin unter anderem Benzin, Diesel und Kerosin produziert worden. Neben der Raffinerie haben die ukrainiaschen Drohnen nach Angaben aus Kiew auch zehn weitere Öltanker und vier Fähren im Asowschen Meer getroffen.
Seit Monaten Raffinieren im Visier
Die Raffinierie in Sysran ist bei weitem nicht die einzige Anlage dieser Art, die die Ukrainer im Visier haben. Seit mehreren Monaten setzt Kiew darauf, die Energieinfrastruktur in Russland zu schwächen. Damit will man Russlands Präsidenten Wladimir Putin dazu bringen, sich mit den Ukrainern an den Verhandlungstisch zu setzen.
Der Plan der Ukrainer geht offenbar auf, die Russen kämpfen inzwischen mit einer enormen Sprit-Knappheit. Tankstellen geben Treibstoff nur noch in begrenzten Mengen aus und die Autofahrer müssen lange anstehen, um überhaupt noch welchen zu bekommen. Inzwischen hat der Kreml schon reagiert und versucht, gegen die Treibstoff-Krise anzukämpfen.
Eine Anlage nach der anderen
Doch die Ukrainer sind den Russen offenbar einen Schritt voraus. In den vergangenen Wochen gab es zahlreiche Meldungen zu ukrainischen Angriffen auf russiche Ölderviate oder Raffinerien. Allein in der Nacht auf Freitag wurden mehrere Anlagen beschädigt: In der Schwarzmeer-Region Krasnodar brannte laut örtlichen Behörden die Ölraffinerie Ilski, in der Region Rostow brannten laut dem Rostower Gouverneur Juri Sljussar zwei Öllager-Objekte und ein Verwaltungsgebäude und in der Region Leningrad an der Ostsee wurde der Ölverarbeitungskomplex Ust-Luga angegriffen, wie der ukrainische Generalstab berichtete.
In der Nacht auf Sonntag schoss das russische Militär laut eigenen Aussagen in der Nacht 349 ukrainische Drohnen ab. Das waren etwa so viele wie in den vergangenen Tagen.
Russische Angriffe „schlimmer als je zuvor“
Aber auch die Russen attackierten die Ukraine in den vergangenen Tagen. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko spricht von einer weiteren Eskalation des Ukraine-Kriegs durch Moskau. Er habe so etwas seit Kriegsbeginn noch nicht erlebt. „Die Angriffe mit russischen ballistischen Raketen sind schlimmer als je zuvor“, sagt er der Zeitung „Bild am Sonntag“.
Innerhalb einer Woche hat das russische Militär Kiew dreimal schwer aus der Luft angegriffen. Dabei setzte es neben Drohnen auch Marschflugkörper und ballistische Raketen ein. Die Folgen für die ukrainische Hauptstadt sind verheerend. Dutzende Menschen kamen ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt. Die Einschläge haben viele Wohnhäuser in Kiew beschädigt oder ganz zerstört.
Die von Putin betriebene Eskalation sei auch auf die neue Stärke der Ukraine auf dem Schlachtfeld zurückzuführen, zeigt sich Klitschko überzeugt. Putin stehe so unter Druck, „dass er jetzt offenbar Kiew kaputt bomben will, bevor der Winter beginnt“, sagt der frühere Box-Weltmeister. Klitschko ruft die westlichen Partner der Ukraine zu weiteren Hilfen bei der Flugabwehr auf. Gerade beim Abfangen ballistischer Raketen ist Kiew auf Systeme wie die von den USA produzierten Patriot-Komplexe angewiesen.