Ukrainische Drohnenangriffe: Blackout auf der Krim
Ein großangelegter Drohnenangriff der Ukraine auf Energieanlagen in der Nacht hat für etwa die Hälfte der Krim die Stromversorgung gekappt. Angesichts der prekären Lage durch die ständigen Attacken setzen die Behörden auf Durchhalteparolen.
Unbemannte Flugsysteme trafen nach Angaben der ukrainischen Drohnenstreitkräfte Treibstoffstanks im Wärmekraftwerk Kertsch, die Gasverteilungsstation Simferopol und ein wichtiges Umspannwerk im Westen nahe Sewastopol.
Größte Stadt ohne Strom
Die Folge: Ein komplettes Blackout in der größten Stadt der Krim sowie auf rund der Hälfte der Halbinsel, wie die Besatzerbehörden mitteilten. Die Rede war von „vorsorglichen“ Stromabschaltungen vor der Attacke am Dienstagabend. Wegen des Angriffs auf die Energieinfrastruktur sei Sewastopol „vorübergehend“ ohne Elektrizität, erklärte der von Moskau eingesetzte Gouverneur Michai Raswoschajew.
Videos in sozialen Medien zeigen den Angriff auf Simferopol:
„Werden das hier überstehen“
Wegen der Ausfälle verkehrten am Mittwoch keine Oberleitungsbusse in Sewastopol. Raswoschajew rief Eltern zudem dazu auf, ihre Kinder zu Hause zu behalten. „Spezialisten begutachten das Ausmaß der Schäden und tun alles Mögliche, um die Stromversorgung wiederherzustellen“, schrieb er auf Telegram. Und er gab Durchhalteparolen durch: „Wir werden uns von diesem Stromausfall nicht einschüchtern lassen. Wir haben schon schlimmeres durchgestanden und werden auch das hier überstehen.“
Auch in den nahe gelegenen russisch besetzten Gebieten der Region Cherson sei die Stromversorgung teilweise oder vollständig unterbrochen, erklärte der dortige Russland-Vertreter Wladimir Saldo. Die Behörden stellten nach mehreren Stunden Ausfall die Energieversorgung wieder her.
Tourismus ausgesetzt
Die Ukraine hat zuletzt ihre Angriffe auf die Versorgungsrouten der Krim verstärkt. Zu Beginn der Urlaubssaison ist der Treibstoff in der Schwarzmeer-Region knapp geworden, was bereits zu Einschränkungen des öffentlichen Lebens geführt hat. Die Behörden schlossen alle Ferienlager und setzten den Tourismus bis zum 1. September aus. Die Treibstoffkrise hat sich inzwischen regional ausgeweitet. Mehrere russische Regionen rationieren den Verkauf von Benzin und Diesel – darunter auch in von der Ukraine weit entfernten Gebieten wie Sibirien.
Erneut Angriffe auf russisches Hinterland
Unter Beschuss ist auch die weit von der Front entfernte Wolgaregion Orenburg in Russland geraten. Der Gouverneur der Region, Jewgeni Solnzew, berichtete von einem schweren Angriff. „Einige Drohnen wurden über Industrieobjekten in der Stadt abgeschossen“, schrieb er in sozialen Netzwerken. Dort seien Katastrophenschutz und Feuerwehr im Einsatz, Verletzte gebe es nicht. Berichten zufolge wurde eine Anlage zur Verarbeitung von Erdgas beschossen (siehe X-Post unten).
Sechs Tote in der Ukraine
Unterdessen sind bei russischen Luftangriffen in der Ukraine zumindest sechs Menschen getötet worden. Im Gebiet Dnipropetrowsk kamen nach Angaben der dortigen Staatsanwaltschaft drei Menschen durch Drohnenangriffe ums Leben, in Saporischschja wurde eine Frau durch Gleitbomben und in Cherson ein Mann getötet. Auch in der zweitgrößten Stadt Charkiw kam ein Mann ums Leben.