Kultur

Van der Bellen: „Angriffe aus Ost und West“

Van der Bellen: „Angriffe aus Ost und West“

Mit der Rede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen sind die Salzburger Festspiele offiziell eröffnet. Das Staatsoberhaupt beleuchtete vor allem das Glück, eine freie und friedliche Heimat zu haben, mahnte aber auch, gewappnet gegen „Angriffe aus Ost und West“ zu sein. Zuvor hatte die belarussische Bürgerrechtlerin Maria Kolesnikowa die Festrede gehalten, Senta Berger einen wenig bekannten Text von Max Reinhardt gelesen.

Er denke in letzter Zeit wieder mehr über Migration und den Begriff „Heimat“ nach, so Van der Bellen in seiner Eröffnungsrede. Seine Eltern – „sie eine Estin, er ein Russe“ – hätten aus dem heutigen Estland emigrieren müssen – er habe also „eindeutig Migrationshintergrund“. Geboren sei er in Wien – „und gelandet sind wir schlussendlich im Tiroler Kaunertal“, das zu seiner Heimat geworden sei und dessen „deutsche Zweitsprache“ er beherrsche.

Auch die Kunst sei „vielen Menschen Heimat“, was ihm nicht gefalle, sei, wenn dieser Begriff politisch missbraucht und damit „viel gefährlicher Blödsinn getrieben“ wird. Für sein betontes „Das gefällt mir gar nicht“ gab es Zwischenapplaus.

Heimat sei „zunächst einmal Gnade, sie ist ein Glück. Glück in der Geburtslotterie.“ Kein Mensch suche sich aus, „wo genau und bei wem er diesen Erdball betritt. So gesehen haben wir alle hier in der EU den Jackpot geknackt“, so Van der Bellen. Auch wenn der Weg zu einem freien und wohlhabenden Kontinent lang und blutig gewesen sei, hätte Europa erkannt, dass „wenn wir möchten, dass Hass, Mord und Vernichtung hier nie wieder geschehen, dann müssen wir zusammenarbeiten. Wir müssen. Ob wir wollen oder nicht.“

Vor „Willkür fremder Regierungen“ wappnen
Heimat bedeute aber auch Pflichten, dass alle die Grundregeln einhalten und nach außen für sie einstehen. „Angriffe“ kämen zwar gerade nicht aus allen Himmelsrichtungen, aber „aus Ost und West“, Van der Bellen nannte explizit die „Willkür fremder Regierungen“. Unabhängig müsse Europa auch in der Energieversorgung und der digitalen Welt werden, souverän in der Verteidigungsfähigkeit.

„Die schönste Heimat wird unbewohnbar ab 40 Grad Celsius“
Abschließend forderte er Einigkeit bei einer weiteren Herausforderung der kommenden Jahre ein: „Die schönste Heimat wird unbewohnbar ab 40 Grad Celsius. Für mich und meinen Hund auf jeden Fall. Also hören wir auf, uns darüber zu streiten, ob wir uns die Klimakrise einbilden oder nicht, ob Windräder schick aussehen oder schirch sind, ob echter Schnee überbewertet ist oder nicht – und handeln wir. Packen wir es an. Mit kühlem Kopf und warmem Herzen.“

Die Salzburger Festspiele starteten bereits am 17. Juli mit der Ouverture spirituelle in die heurige Saison. Am 18. Juli wurde die erste Schauspielpremiere mit dem „Jedermann“ in der wiederaufgenommenen Inszenierung von Robert Carsen mit Philipp Hochmair in der Titelrolle und Roxane Duran als neuer Buhlschaft gefeiert.

Am Abend geht im Großen Festspielhaus mit Georges Bizets „Carmen“ dann auch die erste szenische Opernproduktion in diesem Sommer über die Bühne. Bis einschließlich 30. August stehen über 170 Aufführungen in 45 Tagen an 19 Spielstätten sowie 37 Vorstellungen im Jugendprogramm „jung & jede*r“ auf dem Programm.

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