Politik

Van der Bellen: „Ich mach’ da nicht mit“

Van der Bellen: „Ich mach’ da nicht mit“

Während nebenan auf der Seebühne ein überdimensionaler Spiegel eindrucksvoll splittert, ruft Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Bregenzer Festspielhaus die Österreicher dazu auf, es sich nicht zu bequem zu machen – und unser Land zu verteidigen. 

Van der Bellen ist kein lauter, kein Polterer und nur selten ein Mann der klaren Worte („So sind wir nicht!“) – und dennoch geben seine Eröffnungsreden in Bregenz und Salzburg erfahrungsgemäß den Herrschenden im Lande (s)eine Linie vor. So mahnte er etwa den damaligen Kanzler Nehammer indirekt, als der darüber sprach, was in Österreich „normal“ sei – und was nicht. Und auch Herbert Kickl, wenn auch nie namentlich genannt, erfährt zwischen den Zeilen, warum der Bundespräsident ihn nicht für kanzlertauglich hält. So auch heuer in Bregenz. 

Zu Beginn staatstragend-versöhnlich
Zum 80-jährigen Jubiläum der Festspiele spannt Van der Bellen den Bogen erst von der spektakulären Kunst am Bodensee zur politischen Gegenwart. Die Erfolgsgeschichte der Festspiele sei ein Beispiel dafür, was möglich werde, wenn Menschen sich „nicht mit dem einfach zu Erreichenden zufriedengeben“. Österreich habe nach Katastrophen immer wieder die Kraft gefunden, sich neu zu erfinden, sagte der Bundespräsident. Dabei warnt er jedoch davor, die großen Errungenschaften der Zweiten Republik als Selbstverständlichkeit anzusehen.

Vor allem aber warne er vor einfachen Antworten auf komplexe Probleme. In einer Zeit sozialer Netzwerke sei es leicht, „Wut zu schüren, Vertrauen zu zerstören und Menschen gegeneinander auszuspielen.“

Wertekanon für Österreich
Freiheit, Gleichheit, Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit, Mitmenschlichkeit und Verantwortung seien die tragenden Fundamente des Landes. Diese Werte müssten nicht nur von Politik und Institutionen gepflegt werden, sondern von jedem Einzelnen – von Lehrern, Polizisten, Unternehmern, Journalisten, Bürgermeistern und Eltern.

Der deutlichste Satz fällt, als Van der Bellen auf jene zu sprechen kommt, die  gezielt das Trennende betonen. Politische Kultur beginne dort, „wenn andere verächtlich gemacht werden oder versucht wird, das Niedrigste aus den Menschen herauszuholen“, und jemand aufstehe und sage: „Ich mach’ nicht mit.“ Respekt sei ansteckend, so der Bundespräsident.

„Ein Österreich, das sich nicht kleinmacht“
Das alles sei es, was eine freie, liberale Demokratie ausmache. Das verlange Geduld, Respekt, Kompromisse und Mut. Man müsse sie verteidigen. „Sie kostet uns mitunter etwas. Dafür gibt sie uns die Freiheit, unser Leben selbst zu gestalten.“

Wie sonst gerne Kickl streicht Van der Bellen am Ende den „Stolz auf Österreich“ in seiner Rede hervor – ein Österreich, das „seine Geschichte kennt, ohne in ihr stecken zu bleiben. Das sich nicht kleinmacht. Das niemanden kleinmacht. Ein Österreich, das sagt: Wir müssen nicht alle gleich sein, um zusammenzugehören. Wir gehören zusammen, weil wir Österreich sind.“ 

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