Visueller Ton mit Überfluss und Reduktion
Weizelsdorf im Rosental: Ein schaulustiger Besuch auf Schloss Ebenau bei der Galerie Walker, das heißt Atem holen und tief eintauchen in einen Kunstkosmos, der für die aktuelle Ausstellung bunte Blüten treibt.
Die eine hinterfragt tierisch vielschichtig des Menschen komplexes Beziehungsgeflecht, der andere findet in Reduktion und Klarheit eine universelle Bildsprache: Zu Gast bei Walker sind Deborah Sengl und Julian Opie beileibe nicht das erste Mal. Doch gerade in der Zusammenschau der 52-jährigen Wienerin mit dem weltberühmten 68-jährigen Briten wird ein Spannungsverhältnis sichtbar, das Innensicht und Außenschau vereint.
Dass die Galerie Walker heuer auf Schloss Ebenau ihr 30-Jahre-Jubiläum feiert, ist für Sengl denkwürdiger Anlass für zwei neue Serien, „die zwar für sich stehen, aber auch als meine persönliche Huldigung dieses magischen Ortes im weiteren Sinne gesehen werden können. ,Lasst Rosen sprechen’ ist einerseits eine Liebeserklärung an das namensgebende Umfeld, das Rosental, wachsen doch in zeichnerischer Form berühmte Autoren der Literaturgeschichte oder deren Zitate rund um jene bedeutungsvolle Blume“, erklärt Sengl.
„Bei ,Kärnten ganz Innen’ widme ich mich dagegen herausragenden Künstlerinnen des Landes.“ Vorwissen ist dabei immer von Vorteil, denn dann wird beispielsweise Sengls Katzenmensch mit dem Pinsel in der Hand auf einen Blick zur brillanten, hintersinnigen Hommage an die große Kärntner Malerin Maria Lassnig und ihr berühmtes Werk „Mit einem Tiger schlafen“.
Mit Julian Opie betritt dagegen ein Künstler die Bildfläche, der seit fast drei Jahrzehnten zu den bedeutendsten Vertretern der englischen Gegenwartskunst zählt. Reduktion auf das Wesentliche, Zeichenhaftigkeit, klare Umrisslinien sowie monochrome Farbgebung sind seine Mittel, um die Vielfalt der Darstellungsmöglichkeit auszuloten und mit neuen Medien und Medientechnologie umzusetzen, frei nach dem Motto: Die Form gibt dem Inhalt seine Bedeutung.