Politik

ÖVP-Urgestein verlässt Wiener Wirtschaftsbund

ÖVP-Urgestein verlässt Wiener Wirtschaftsbund

Die Ex-ÖVP-Ministerin Maria Rauch-Kallat ist aus dem Wiener Wirtschaftsbund ausgetreten. „Weil ich das Verhalten des Präsidenten nicht akzeptieren kann“, erklärte sie am Montag auf Facebook. In der Wirtschaftskammer müsse sie „leider“ trotzdem bleiben.

Auf Facebook verkündete die 77-jährige Rauch-Kallat am Montag: „Heute bin ich ausgetreten, weil ich das Verhalten des Präsidenten und dessen Billigung durch die Spitzenfunktionäre nicht akzeptieren kann.“ „So ist die ÖVP nicht!“, fügte sie hinzu.

„Nachricht ungelesen gelöscht“
Nachdem die ehemalige ÖVP-Ministerin eine Mail an den Wirtschaftsbund gesendet hatte, sei prompt eine Antwort zurückgekommen. Diese habe sie sehr enttäuscht. „Ihre Nachricht wurde ungelesen gelöscht“, lautete die wohl automatisch generierte Antwort. Das veranlasste Rauch-Kallat dazu, sich auf Facebook direkt an den Wirtschaftsbund zu wenden. „Vielleicht wird die Nachricht hier gelesen“, schrieb sie in ihrem Posting.

„Krone“ veröffentlichte Gesprächsprotokolle
Wie die „Krone“ berichtete, soll der Chef des Wirtschaftsbunds und Präsident der Wirtschaftskammer in Wien, Walter Ruck, nicht nur über Parteikollegen und Industrievertreter hergezogen, sondern sich auch gegenüber Frauen respektlos geäußert haben. Darüber hinaus soll Ruck damit hausieren gegangen sein, welchen Einfluss er auf die Listenerstellung und Postenbesetzungen der ÖVP genommen habe. Am Freitagabend wurde er daraufhin aus der Partei ausgeschlossen.

Harte Kritik der Ex-ÖVP-Ministerin 
Rauch-Kallat schrieb in ihrem Posting, „die Erklärung des Präsidenten, er hätte die kolportierten Aussagen nie bestätigt“, sage wohl alles. „Er hat sie auch nie dementiert!“, stellt die ehemalige Nationalratsabgeordnete fest. Die Aussagen würden aus ihren Erfahrungen „absolut schlüssig und glaubhaft“ wirken.

Rauch-Kallat wechselte das Bundesland
Aus dem Wiener Wirtschaftsbund sei sie zwar ausgetreten, dem Wirtschaftsbund an sich bleibe Rauch-Kallat jedoch treu. Am liebsten wäre sie der Bundesleitung direkt beigetreten, da sie „die Arbeit der Präsidentin und Obfrau Martha Schultz und ihrer Generalsekretärin Tanja Graf sehr schätze, aber das ist – anders als in der ÖVP - leider nicht möglich.“ Stattdessen habe die EX-Ministerin eine neue Heimat im Wirtschaftsbund Oberösterreich gefunden.

„Muss leider Mitglied bleiben“
Als Unternehmerin in Wien müsse die 77-Jährige bei der Wiener Wirtschaftskammer „leider Mitglied bleiben“. Sie könne jedoch nicht verstehen, wie „viele sehr respektable Funktionäre und Funktionärinnen zu all diesen Vorwürfen schweigen, dadurch das Verhalten tolerieren, im entsprechenden Gremium mauern und damit der eigenen Gesinnungsgemeinschaft einen erheblichen Schaden zufügen!“ Sie wünsche sich, dass „auch all jene Männer, die NICHT SO sind, ihre Stimme erheben und daraus die entsprechenden Konsequenzen ziehen“.

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