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Wirbel um Geburtstagsfest für Ex-Minister Strasser

· Politics

Der verurteilte Ex-Minister Ernst Strasser (ÖVP) steht wieder einmal in den Schlagzeilen. So soll das Innenministerium für seinen ehemaligen Ressortchef und späteren EU-Parlamentarier ein Geburtstagsfest organisiert und – auf Steuerkosten – bezahlt haben!

Wie eine parlamentarische Anfrage der FPÖ zeigt, über die der „Standard“ berichtet, kostete das Fest am 29. April 2026 den Steuerzahler knappe 9000 Euro. 77 Personen seien eingeladen gewesen, 61 gekommen. Strasser feierte seinen 70. Geburtstag. 

Seit September 2016 ohne Fußfessel
Strasser wurde 2014 wegen Bestechlichkeit in seiner Funktion als EU-Abgeordneter zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt. Diese Strafe hat er mittlerweile abgesessen bzw. bis September 2016 mit einer Fußfessel verbüßt. Demnächst dürfte sie auch als getilgt gelten – die gesetzliche Tilgungsfrist beträgt bei diesem Strafrahmen zehn Jahre.

„Die Auswahl der Ehren- und Festgäste erfolgte seitens des Bundesministeriums für Inneres dem Anlass entsprechend und gemäß protokollarischer Repräsentanz“, heißt es in der Anfragebeantwortung.

Hochrangige Gästeliste
Die Gästeliste war jedenfalls hochrangig: Neben Strassers Nachfolgern Karl Schlögl (SPÖ), Johanna Mikl-Leitner, Wolfgang Sobotka und dem amtierenden Innenminister Gerhard Karner waren auch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Ex-Landeshauptmann Erwin Pröll (alle ÖVP), ehemalige und aktive Führungskräfte und Ex-Mitarbeiter des Ministeriums sowie Journalisten, persönliche Wegbegleiter sowie Familienmitglieder anwesend.

Feier auch für roten Ex-Innenminister Schlögl
Finanziert wurde das Geburtstagsfest, wie es heißt, „als Repräsentationsausgabe aus Mitteln des Detailbudgets der Zentralstelle und wurde von der zuständigen Fachabteilung freigegeben“. Dass der 70er im Ministerium stattfand, hat aus Sicht des Ressorts folgenden Grund: „Es handelte sich um eine offizielle, repräsentative Veranstaltung des Bundesministeriums für Inneres im Sinne eines Austauschtreffens.“ 

Für Catering, Personal, Equipment, Mobiliar und Dekoration wurden 8230,32 Euro bezahlt, für Torten 373,50 Euro, für Blumensträuße 100 Euro, für Bilderrahmen 20,95 Euro. Macht insgesamt: 8724,77 Euro. Auf die gleiche Art sei laut Ministerium auch Schlögls Geburtstag im Vorjahr gefeiert worden.

BMI rechtfertigt Feier
Aus dem Innenministerium hieß es zudem, dass es üblich sei, langjährigen Ressortchefs bei runden Geburtstagen wie dem siebzigsten den Respekt des Hauses zu erweisen. Es seien vorwiegend aktive und ehemalige Mitarbeiter des Ressorts eingeladen gewesen.

FPÖ und NEOS mit Kritik
Der blaue Anfragesteller Reinhold Maier ortete einen Skandal: „Während bei der Bevölkerung und unseren Polizisten mit dem Rotstift gewütet wird, schmeißt Karner eine Geburtstagsparty auf Steuerzahlerkosten für einen seiner ÖVP-Vorgänger im Innenministerium.“ Er kritisierte weiter: „Strasser war ein schwarzer Skandalpolitiker mit einem elendslangen Sündenregister. Dass der ÖVP-Innenminister ihm zu Ehren eine solche Megafeier ausrichtet, beweist nur, dass er offenbar sein mehr als zweifelhaftes politisches Erbe weiter hochhalten will.“

Kritik kam aber auch vom Koalitionspartner. Auf Strassers Vergangenheit spielte auch die pinke Henrike Brandstötter auf Bluesky an: „Finde ich eine ziemlich teure Resozialisierungsmaßnahme. Im Ernst: Was soll das? Es gibt Ehrungen, die versteht man. Und dann gibt es Geburtstagspartys (!) im Innenministerium (!) für rechtskräftig verurteilte Ex-Minister (!) auf Steuerzahlerkosten (!).“

Strasser und die falschen Lobbyisten
Strasser war 2010/2011 als damaliger ÖVP-Delegationsleiter im Europäischen Parlament zwei als Lobbyisten getarnten britischen Journalisten auf den Leim gegangen, die ihn auf eine mögliche Einflussnahme auf die EU-Gesetzwerdungsverfahren ansprachen. Im Lauf mehrerer Gespräche, die heimlich auf Video aufgenommen wurden, sicherte Strasser schließlich – gegen ein jährliches Honorar von 100.000 Euro – bezogen auf konkrete EU-Richtlinien ein entsprechendes Verhalten zu.