Mit seiner neuen Super-Brille erntet Innsbrucks Stadtchef Johannes Anzengruber nicht nur Applaus. Der KPÖ ist sie sogar ein Dorn im Auge, da man mit ihr auch Fotos und Videos machen kann.
Wohl die allermeisten Wähler und Wählerinnen wünschen sich von den politischen Vertretern, dass sie alles im Auge bzw. im Blick haben. In erster Linie natürlich die Probleme, deren es aktuell ja mehr als genug gibt. Augenscheinlich verfolgt dieses Ziel im wahrsten Wortsinn Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber. Das Stadtoberhaupt hat ja schon mehrfach durch – nennen wir es – „eigenwillige Aktionen“ für Aufmerksamkeit gesorgt.
In jüngster Zeit fiel er aber mit einem neuen Accessoire auf. Es handelt sich um eine Brille. Keine herkömmliche, sondern laut Innsbrucker KPÖ um eine Oakley Meta HSTN.
Allein der Name verrät eigentlich schon, dass es sich nicht nur um gewöhnliche Gläser handelt, mit denen er die politische Konkurrenz besser sieht. Diese Brille kann weit mehr als den Blick schärfen. Sie kann Fotos mit einer 12-MP-Kamera machen, Videos in höherer 3k-Qualität aufzeichnen usw. In der Werbung heißt es: „Die intelligente Sonnenbrille lässt sich ganz einfach über deine Stimme steuern. Nachrichten schreiben, Musik hören, telefonieren – alles ohne Smartphone in der Hand. So kannst du dich ganz auf dein Training oder deinen Alltag konzentrieren.“
Im Falle von Anzengruber dürfte es in erster Linie der politische Alltag sein. Für sein auffälliges, neues Outfit erntet Anzengruber aber nicht nur Applaus. Gregor Sanders (KPÖ) ist sie ein regelrechter Dorn im Auge. Deshalb wollte er via Anfrage genau wissen, was der Bürgermeister während einer Gemeinderatssitzung mit dieser Brille tut, da sie ja Kamera, Mikrofon und Lautsprecher integriert habe sowie eine KI-unterstützte Umgebungsanalyse machen könne.
Schonung der Augen statt Aufzeichnungen
In seiner Antwort ließ Anzengruber wissen, dass er die Brille in erster Linie zur „Schonung der Augen“ trage und auch, um dringliche Nachrichten und Anrufe umgehend wahrzunehmen. Zudem versicherte er, dass die Brille ohne Aktivierung keine Daten speichere und Aufzeichnungen durch ein weißes Lichtsignal erkennbar seien. Die Aufzeichnungsfunktion werde aber nicht genutzt, weshalb Gesprächspartner auch nicht über die technischen Fähigkeiten des Geräts informiert würden. Auf Sanders weitere Fragen zur Vereinbarkeit mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), zu Meldepflichten bei der Datenschutzbehörde und auch zur Datenübermittlung an den US-Konzern Meta ging Johannes Anzengruber übrigens überhaupt nicht ein.
„Die Antworten des Bürgermeisters sind an Ausweichmanövern kaum zu überbieten. Wer ernsthaft behauptet, er brauche eine KI-gestützte Kamera-Mikrofon-Brille eines US-Konzerns zur ,Schonung der Augen’, führt die Öffentlichkeit vor. Keiner seiner Amtsvorgänger benötigte so ein Gerät, um eine Stadt zu führen. Wenn er all diese Funktionen ohnehin nicht nutzt, wozu trägt er dann eine Datenbrille und kein einfaches Benachrichtigungsgerät? Das ist nicht glaubwürdig“, betont man seitens der KPÖ.
Ein schwacher Trost mag sein, dass Politiker vielfach längst nicht mehr wirklich glaubwürdig agieren.